Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161143
Teppiche 
und 
Stickereien. 
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hilder oßienbar von verschiedenen Händen gezeichnet): einige 
sind mehr in der gewöhnlichen Weise der Zeit gearbeitet, 
andre aber enthalten in einzelnen Figuren die Andeutungen 
von einer solchen Schönheit der Form, von solchem Eben- 
mass der Glieder, von so würdiger, so kunstverständig ge- 
ordneter Gewandung (und gerade diese durchaus nicht in den 
besondern Eigenthümlichkeiten jener altchristlichen_V0rbilder) 
 dass wir hier in der That eine ihrer Vollendung sich an- 
nähernde Kunst zu sehen glaubenä").  Auch im Dome zu 8. 
Halberstadt befinden sich Teppiche mit gewirkten bildlichen 
Darstellungen romanischen Stylesml), deren Zeichnung jedoch 
ungleich roher ist.  Von der Gesammtmasse gewirkten und 9- 
gestickten Zeuges, welches an festlichen Tagen z. B. in einer 
grossen Kathedrale zum Vorschein kam, gieht uns die Mainzer 
Chronik des Bischofes Conradllw) einen Begriff. Der Dom 
von Mainz besass um die Mitte des Xll. Jahrhunderts so 
viel purpurlarbenes Tuch, dass man sein Inneres von oben 
bis unten vollständig damit bekleiden konnte; ferner Wand- 
teppiche und Stuhlteploiche mit Stickereien von wunderbarer 
Schönheit; sodann andere, welche den Boden und die Knie- 
Schemel bedeckten; die Altäre waren niit goldgestickten 
Tüchern überzogen, Wovon eines bis auf 100 Mark an Golde 
Werth war; unter den Messgcwändern waren viele von Seide 
und von Saxnmt mit Gold und Edelsteinen, darunter ein 
violettes mit Fransen, Nlöndchen und Sternen von Gold, 
welches durch seine Schwere den stärksten Mann zu Boden 
drückte, u. s. w.  Leider veranlasste gerade dieser uner- 
messliche Metallwerth nebst den in Menge angewandten 
Edelsteinen und Perlen die Zerstörung der schönsten Sticke- 
ü) Die Regierung der genannten Aebtissin zeichnet sich überhaupt 
durch eine merkwürdige Kunstbliithe aus, wie man z. B. an einem 
elfenbeinernen Reliquienkasten mit vortrefflichen Aposteliiguren sieht, 
dessen Boden  eine Silberplatte mit ausgezeichneten Niellds  Bild 
und Namen der Agnes enthält, nebst dem Beisatze, dass der Kasten 
in ihrem Auftrage gearbeitet worden sei. 
M) Museum, 1833, N0. 7. S. 53. 
a4") U. a. bei Beatus Rhenanus, res gerznan. etc.
        

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