Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161120
Teppiche 
und 
Stickereien. 
201 
40 Jahre später gab es in Poitiers eine Teppichfabrik, welche 
selbst aus Italien Bestellungen erhielt. Von Ornamenten und 
Thiertiguren war man schon im XI. Jahrhundert zu heiligen 
Geschichten und zu den Gestalten der Kaiser und Könige 
übergegangen, so unbeholfen dergleichen auch in der Wirkerei 
ausfallen musste. Nicht selten mochten solche gewirkte Tücher 
noch durch eingestickte Verzierungen ihre Vollendung em- 
pfangen. Auch kommen Andeutungen vor, nach welchen die 3,. 
Figuren bloss mit Farben auf das Tuch gemalt, ja mit Mo- 
deln aufgedruckt wurden, wie diess z. B. mit dem im 
Jahre 1031 verfertigten blauseidenen Messgewande des heil. 
Stephan von Ungarn (jetzt in der geistlichen Schatzkammer 
zu Wien) der Fall sein soll Alle berühmten Prachtstücke 4t 
aber bestanden in reiner Stickerei, oft von fürstlichen Hän- 
den. In der zweitenlHälfte des X. Jahrhunderts schenkte 
jene schon erwähnte Hedwig von Schwaben an das ihr be- 
freundete Kloster St. Gallen eine Alba, worauf in Gold ge- 
stickt die Vermählung der Philologie mit Mercur zu sehen 
war, nach dem Satiricon des Marcianus Capella, Welcher als 
der letzte römische Belletrist in den Bibliotheken des Mittel- 
alters nicht zu fehlen pflegte. Kaiser Otto III. trug einen 5. 
Mantel mit Scenen aus der Offenbarung Johannis, welchen 
wahrscheinlich die Aebtissin Mathilde von Quedlinburg ge- 
stickt hatte. Adelheid, die Gemahlin Hugo Oapets, stickte 
für S. Denis ein Messgewand, welches den Erdkreis (orbis 
terrarum) darstellte, und für S. Martin in Tours ein anderes, 
das auf der Rückenseite Christum über den Oherubim und 
Seraphim thronend, und auf der Brustseite das Lamm Gottes 
zwischen den Zeichen der vier Evangelisten enthielt "Ü. Im 
XI. Jahrhundert besassen die Gemahlin und die Schwester 
Kaiser Heinrichs II., Kunigunde und Gisela, eine bedeutende 
a) S. Fiorillo a. a. O. I, 239 und D'Agincourt, Malerei, Tag 
168. Nach Emeric-David a. a. O. S. 1043 wäre der Tücherdruck, 
welcher hier 400 Jahre vor der Erfindung des Holzschnittes auftritt, 
durch syrische Teppiche nach dem Abendlande gekommen.  
ü") Vgl. Helgaldi vita Roberti regis bei Duchesne IV. p. 68
        

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