Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161092
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Romanischer Styl. 
der Dombibliothek zu Trier (Kesselst. Vermächtniss V.) 
zeichnet sich durch höchst phantastische Initialverzierungen 
aus, welche ausser Drachen, wilden Männern, Centauren 
u. s. W. auch kleine Medaillons mit historischen Scenen ent- 
halten; ein anderes vorzüglicheres Evangelium derselben Samm- 
lung (um 1200; Kessclst. Verm. II.) erinnert in der Behand- 
lung theils an den Hortus deliciarilm", theils an den Weingartner 
Psaltcr und zeigt z. B. bei einer Darstellung des Weltgerichtes 
in den Gruppen der Wehklagendeil Verdammten schon ein 
grossartig bewegtes Gefühl und Formensinn im Nackten. 
Vier andere ebendort aufbewahrte Evangelienbücher (Kesselst. 
Verm. IV, VII, VIII, IX) sind noch aus dem XII. Jahr- 
hundert und von roherer Arbeit, Wobei Einzelnes sogar noch 
9- auf angelsächsischen Einfluss hindeutet.  Die kaiserl. 
Bibliothek in Paris besitzt ein mainzisches Pontificale vom 
Jahre 1183, ein Psalterium vom Anfange des XIII. Jahr- 
hunderts, welches ebenfalls aus Deutschland stammt, und drei 
Handschriften niederländischer Herkunft, Worin die feine Be- 
handlung der Farben und Schatten und die malerisch durch- 
geführten Einzelheiten auf eine frühe Ausbildung des nieder- 
ländischen Farbensinnes hindeuten: eine Bibel, ein Legen- 
darium und eine lateinische Uebersetzung des Josephus. 
Letztere enthält in ihren Initialen schon einzelne von jenen 
skurrilen Darstellungen, Welche später dem niederländischen 
Humor so trefflich zusagten, z. B. einen Esel, Welchem ein 
Mann eine Harfe vorhält. 
10- In Frankreich, wo das XII. Jahrhundert eine schnelle 
Entwickelung des Staates, das Emporkommen der Städte, die 
höchste Blüthe der provenzalischen Dichtkunst und das Eut- 
stehen der gothischen Architektur umfasste, könnte man auch 
in der Malerei einen gewissen Aufschwung erwarten. Für 
die Miniaturarbeit insbesondere musste das Aufkommen der 
Universität Paris als eines Mittelpunktes für alles Bücher- 
wesen von Bedeutung sein. Indess sind die erweislich aus 
der letzten Hälfte des XII. und dem Anfang des XIII. Jahr- 
hunderts stammenden Codices der kaiserl. Bibliothek von 
Paris (eine Bibel, die Chronik von Cluny, ein Psalter, und
        

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