Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161087
Deutsche 
Miniaturen. 
197 
gemälde von äusserst sauberer Ausführung und Vollendung. 
Der Styl derselben schliesst sich ebenfalls im YVesentlichen 
den Formen der Zeit an, doch sind letztere hier zu der Dar- 
stellung feierlicher Würde erhoben und ihre Strenge zugleich 
häufig durch den Ausdruck einer eigenthümlichen Milde und 
schlichten Anmuth erfreulichst gemässigt;  man findet hier 
in einzelnen Köpfen (vornehmlich im Kopfe Christi) den Zug 
einer idealen Schönheit, die um so mehr überrascht, als ander- 
weitig in den WVerken dieser Zeit die Köpfe durchaus noch 
starr und anmuthlos gehalten zu sein pflegen. Zu Anfang 
dieser Handschrift befindet sich ein Caleildarium, WO bei 
jedem Monat der Monatsheilige, sowie eine landschaftliche 
Scene, zur Charakterisirung des Monats abgebildet ist  
ein Kreis von Darstellungen, Welcher schon im XII. Jahr- 
hundert z. B. an Kirchenportalen vorkömmt; Beschäftigung 
und Costüme erscheinen durchaus nordisch und bestätigen 
somit, dass die Anfertigung der Bilder aus einer heimischen 
Schule hervorgegangen ist. Dann folgen, in den Psalmen 
selbst, verschiedene Bilder, welche die Taufe Christi, seinen 
Opfertod, seine Niederfahrt zur Hölle, seine Himmelfahrt 
u. s. W. darstellen; in diesen zeigen sich die trefflichsten 
Motive, vornehmlich in dem Bilde, welches, neben dem ge- 
kreuzigten Heilande, iMaria und Johannes in sinnig trauern- 
der Stellung verführt. Hierauf die Litanei, über der, in der 
obern Hälfte der Blätter, die Brustbilder von Heiligen und 
fürstlichen Personen enthalten sind; zu Anfang der letztern 
die Brustbilder des Landgrafen Hermann und seiner Gemahlin 
Sophia, in denen man, ebenfalls ein merkwürdiges Beispiel 
für jene frühe Zeit, das Bestreben nach individueller, porträt- 
artiger Darstellung bereits mit glücklichem Erfolge gekrönt 
sieht. Ein aus Mainz stammendes Evangelienbuch in der 
Hofbibliothek zu Aschaffenburg soll in seinen zahlreichen 
und trefflichen Miniaturen dem oben besprochenen Psalter 
verwandt sein. 
Andere Handschriften, welche mehr oder weniger den- s. 
selben Styl offenbaren, sind in Deutschland nicht eben selten. 
Ein Evangeliarium aus St. Godehard in Hildesheim, jetzt in
        

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