Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161074
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Buch II. 
Mittelalter. 
D er Norden. 
Romanischer Styl. 
dann eine Darstellung der Klage der bethlehernitischen Mütter 
nach dem Morde ihrer Kinder, wo die eine ihr Gewand zer- 
reisst, die andere am Boden kauernd ihr Haupt in die Hand 
stützt, eine dritte die Hände ringt, eine vierte in heftiger Be- 
wegung die Hände erhebt und den Himmel über den gräss- 
lichen Vorgang anzuklagen scheint, u. s. w. 
 Als eine weitere Entwickelung schliessen sich den Ge- 
nannten die Zeichnungen des Conrad, eines Mönches im 
Kloster Scheyern an, eines durch die Abfassung vieler ge- 
lehrten Werke ausgezeichneten Mannes, welcher gegen die 
Nlitte des XIII. Jahrhunderts lebte. Die Hofbibliothek zu 
München bewahrt mehrere seiner Handschriften, die er mit 
Bildern verziert hat, und unter denen besonders ein Evange- 
liaritnn und Lectionarium wichtig ist  Zu Anfange dieser 
Handschrift befinden sich mehrere grosse apokalyptische Dar- 
stellungen, dann zwei merkwürdige Legenden in mehreren 
Reihen kleinerer Bilder (die eine derselben enthält die Ge- 
schichte des Bischofes Theophilus, die älteste deutsche Faust- 
sage) und hierauf eine Anzahl von Bildern der heiligen Ge- 
schichte. Die Führung der Linien ist in diesen Bildern zwar 
nicht mit derjenigen Sicherheit und Bestimmtheit behandelt, 
wie in den obenerwähnten, dagegen wird hier der Sinn für 
eine naturgemässe Form noch bemerkbarer, die Bewegung 
noch freier, der Faltenwurf noch leichter bewegt, mehr durch 
die Formen des Körpers motivirt und in grossartig weichen 
und edlen Linien gebildet. 
7. Eine der interessantesten Bilderhandschriften dieser 
Periode, doch einer andern Schule angehörig, ist endlich der 
für den Landgrafen Hermann von Thüringen (um 1200) ge- 
schriebene Psalter, welcher, früher im Kloster Weingarten, 
gegenwärtig sich in der königl. Privatbibliothek zu Stuttgart 
befindetf"). Die in demselben enthaltenen Bilder sind Miniatur- 
'39) Münchner Bibliothek: Cod. lat. mcmbr. c. p. N0. 7, b, c; N0. 
13, a-- Museum, 1534, N0. 21. S. 165. 
 Museum, a. a. Ü. N0. 13, S. 97.-Vgl. Dibdin: a Bibliogra- 
gohical, antiquavna-n etc. tour in lüance und Germany, III, p. 153,
        

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