Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161068
Deutsche 
Miniaturen. 
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faltet sich hier nämlich in den Handbewegungen der darge- 
stellten Personen eine eigenthümlich durchgebildete Geberden- 
Sprache, welche sowohl die besondern Situationen ruhiger 
Gespräche vollkommen deutlich und verständlich darzulegen, 
als auch den leidenschaftlichen Momenten einen genügenden 
Ausdruck zu geben im Stande ist. In letzteren, wenn ein- 
same Liebeeneth oder die Klage um geliebte Todte zu zeich- 
nen War, wird Schmerz und Leiden durch ein eigen krampf- 
haftes Ringen der Hände trefflich ausgedrückt. 
Üngleich bedeutender als die ebengenannten sind die 5. 
Zeichnungen einer andern, derselben Zeit und Schule ange- 
hörigen Handschrift, welche das schöne deutsche Gedicht des 
WVerinher, Diaconus im Kloster Tegernsee, vom Leben 
der Maria enthält und welche vor einigen Jahren aus der 
V. Naglerischen Sammlung in die königliche Bibliothek zu 
Berlin übergegangen ist In Rücksicht auf Formenbildilng 
stehen diese Zeichnungen etwa mit denen des Hortus deli- 
ciarum auf gleicher Stufe und übertreffen dieselben im Ein- 
zelnen sogar noch durch eine stille Anmuth und Naivetät, 
die sich vornehmlich in denjenigen Bildern zeigt, bei denen 
eben der Ausdruck einer heitern, freudigen Stimmung des 
Gemüthes die Hauptaufgabe war, wie z. B. in einer Gruppe 
der Seligen (einer Vision der Maria). Von vorzüglichstem 
Werthe aber sind einige andere Darstellungen, in denen der 
Zeichner leidenschaftliche und namentlich schmerzhafte Affecte 
darzustellen hatte. Hier wusste er, trotz seiner noch immer 
höchst mangelhaften Mittel, in Stellung, Geberde und Falten- 
wurf ein so eigenthümlich tragisches Pathos zu entwickeln, 
dass dergleichen in einer so frühen Epoche der Kunst aller- 
dings das höchste Erstaunen des Beschauers hervorbringen 
muss. Die Vorzüglichsten unter den Bildern der Art sind 
eine Darstellung der Verdammten (ebenfalls nach einer Vision 
der Maria), die mit glühenden Ketten an einander geschlossen 
sind und von innerlichen Qualen umhergetriehen werden; 
De Weriozhero, saeculi XII. 
w) S. die Dissertation Kuglefsr 
naclzo Tegernseensz" etc. 
13a-
        

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