Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161056
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Buch 11. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Romanischer Styl. 
Beischriften zum näheren Verständniss; doch ist insgemein 
in den Gestalten der Heiligen, welche in der altchristlichen 
Darstellungsweise behandelt sind, eine grossartige Würde 
und Ruhe ersichtlich, so wie es auch nicht an eigenen Er- 
findungen von überraschender Kühnheit und Bedeutsamkeit 
fehlt. Unter diesen zeichnet sich namentlich die Darstellung 
einer Superbia aus, einer weiblichen Gestalt in reichem 
Schmuck, welche zu Ross auf einem Löwenfell sitzend, mit 
weithinfliegenden Gewanden, ihre Lanze schwingt. 
3- Eine eigenthümliche Schule der ltiiniaturmalerei scheint 
sich zu dieser Zeit in den oberbairischen Klöstern gebildet 
zu haben. Die Bilder, womit dieselbe ihre Handschriften 
verzierte, bestehen im Wesentlichen nur aus Ißlederzeichnungen 
(so jedoch, dass das Nackte von der G-ewandung, oder auch 
die verschiedenen Theile der letztern, insgemein durch rothe 
und schwarze Tinte unterschieden ist). In den Gestalten 
selbst zeigt sich nur selten eine weitere Färbungf Während 
die Gründe der Bilder überall mit Farben ausgefüllt und 
mit anders gefärbten Rändern umgeben sind.  Zu diesen 
Werken gehört zunächst die, um die Zeit des Jahres 1200 
geschriebene Handschrift der deutschen Aeneide des Heinrich 
von Veldeck, welche, aus Baiern stammend, gegenwärtig in 
der königl. Bibliothek zu Berlin aufbewahrt wird  Die 
Bilder derselben stellen, in zahlreicher Folge, die in dem 
Gedicht erzählten Begebenheiten dar. Auch sie sind im All- 
gemeinen durch die Sorgfalt, welche der Zeichner auf Costüme 
u. dgl. verwandt hat, merkwürdig, stehen indess in Rücksicht 
auf Formensinn und Wohlgestalt denen des hortus deliciarum 
beträchtlich nach; ja sie erinnern in manchen wirklich krüppel- 
haften Körperbildungen eben an die oben erwähnten Bam- 
berger Handschriften. Doch erhalten diese Bilder durch einen 
andern Umstand ein eigenthümliches Interesse in Bezug auf 
die Entwicklungsgeschichte der deutschen Kunst. Es ent- 
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in 
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der 
S. die Abhandlung Kuglefs: „Die Bilderhandschrift der Eneidt 
königl. Bibliothek zu Berlin." Museum 18336. N0. 36-38.
        

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