Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1161024
Miniaturen 
nach 
1150. 
191 
Gestalten, sowie durch geschickte Zeichnung und Farben- 
harmonie auszeichnen. Der Hintergrund ist hier oft schach; 
brettartig, z. B. mit Gold und Silber colorirt, eine Ver- 
zierung, die von da an öfter wiederkehrt, während etwas 
früher, in den byzantisirenden Bildern der Ottonenzeit eine 
Art von Teppichgrund vorherrsehte.  Nahe mit diesen 
deutschen Arbeiten verwandt erscheint ein aus den Nieder- 
landen stammender Codex derselben Bibliothek, welcher 
S. Gregors Commentar zum Buch Hiob enthält. Geistige 
Affekte sind hier sprechend und mannigfaltig durch die Ge- 
berden ausgedrückt; in den Gesichtern zeigt sich hie und 
da Ausdruck, in denjenigen der YVidersacher sogar Carricatur. 
Englische Bliniaturen dieser Periode sind, wie schon be- 
merkt, noch durchweg roh und barbarisch; französische aus 
der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts kaum besser. Die 
kaiserliche Bibliothek von Paris besitzt von dieser Gattung 
ein Missale aus S. Denis, ein anderes in klein Folio, und 
zwei Bibeln, deren eine, in 4 Folianten, vielleicht den aller- 
tiefsten Verfall und die äusserste Barbarei bezeichnet; in un- 
ordentlichem Fedcrgekritzel sind die Figuren ohne alle Ver- 
hältnisse, bald lang bald kurz hingeworfen und bloss roh 
illulninirt. Eine Apokalypse sammt dein Propheten Daniel, 
welche zu Anfang des XII. Jahrhunderts wahrscheinlich in 
der Gegend von Bordeaux verfertigt ist, zeichnet sich durch 
eine Reihe überaus phantastischer Darstellungen aus; man 
sieht z. B. Babylon zum Vorzeichen baldigen Ünterganges 
von zwei ungehcuern bunten Schlangen umgeben, die zu- 
gleich eine reich verschlungene Randverzierung bilden, u. 
dgl. m. Die Ausführung ist auch hier roher als in den 
gleichzeitigen deutschen WVerken.  
ä. Öl. Nach der Mitte des XII. Jahrhunderts offenbart 
sich in der Malerei ein Aufschwung, über welchen, wie wir 
oben angedeutet, bei der geringen Anzahl und fragmenta- 
rischen Beschaffenheit der anderweitigen Üeberreste Wieder- 
um nur die Miniaturen nähern Aufschluss geben. Nach einer 
langen Zeit kaum merklichen Fortschrittes seit dem X. Jahr- 
hundert eilte damals das Mittelalter binnen weniger Jahr-
        

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