Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160984
Malereien 
in 
Klosferräumen. 
187 
in dem Kapitelsaale des ehemaligen Klosters Brauweiler, 
und zwar an den sechs Kreuzgewölben desselben, also 24 
Felder im Ganzen. Ein Kreuzgewölbe enthält das Brust- 
bild Christi und mehrere Heilige; in den übrigen sieht 
man alttestamentliehe und legendarisehe Seenen, die sich 
auf die Mysterien der christlichen Religion zu beziehen 
scheinen, erstere als Vordeutttngen des neuen Testamentes, 
letztere als dessen Bewährungen. Die vier Felder eines 
Kreuzgewölbes stehen unter sich im Zusammenhang; so sieht 
man z. B. eine Kreuzigung Christi von drei andern Martyrien 
begleitet; sodann in einem andern Gewölbe mehrere Kampf- 
scenen, unter denen man den Simson mit dem Eselskinn- 
backen in der Mitte von Erschlagenen erkennt; ein drittes 
Gewölbe enthält lauter Einsiedlerlegentlen, u. s. w. Styl, 
Behandlung, Geist der Attftnassilng und alles Technische 
steht ziemlich entschieden den bessern Sachen des unten zu 
erwähnenden Hortus deliciarum zur Seite. Leider sind viele 
Stellen verblichen und verdorben. Vielleicht enthalten die 
jetzt mit Täfelwerk verdeckten YVände des Saales noch bild- 
liche Darstellungen ähnlicher Art.  Einzelne Andeutungen 19- 
lassen vermuthen, dass nicht überall die Klosterräume mit 
so völlig kirchlichen Bildern geschmückt waren; hie und da  
war die Geschichte des Klosters dargestellt, wie in Reichen-au, 
und im XII. Jahrhundert liess man wohl vollends der heiern, 
phantastischen Yveltlaune den {reisten Lauf. Wenigstens 
finden sich in der (vor 1153 abgefassten) "Apologie" des 
heil- Bernhard ü") Strenge Vorwürfe dieses Inhalts. „XYas sollen 
in den Klosterzimmern, wo die Brüder lesen, jene lächer- 
lichen Ungethüme, Affen, Löwen, Centauren, Tiger, Halb- 
menschen, Kriegerkähnpfe und blasenden Jäger? jene vielen 
Körper mit einenrKopf und die vielen Köpfe auf einem 
Körper? jene Bestien, welche halb Pferd halb Bock sind? 
bei all dieser Buntheit kommt nichts heraus, als dass man 
lieber ganze Tage auf die Bilder sieht, statt in die Bücher! 
Wenn man sich der Possen nicht schämt, sollte man doch 
Opel-a 
Bernhardi, 
Tom. 
pag. 
545.
        

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