Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160952
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Romanischer Styl. 
ben scheint. (Wahrscheinlich war man inne geworden, dass 
dieser sich zu leicht oxydirte, was z. B. bei dem wenigen 
Gold, welches für Nimben und Kleidersäume angewandt wer- 
den musste, fast durchgängig zu bemerken ist.) Später, viel- 
leicht um ein Jahrhundert, sind die Malereien im Schiff der 
Kirche zwischen den Fenstern und im Langchor ausgeführt. 
Sie stellen die Propheten, den Salomo mit der Königin von 
Saba und den David mit der Ecclesia dar, die vier letztern 
in Halbfiguren. Es sind ernste, würdevolle Gestalten, mit 
Nimben, in hiänteln und langen Untergewiindern von viel- 
fach abwechselnden Motiven, zum Theil in schreitender Be- 
wegung; bei Daniel ist die phrygische Tracht, welche ihm die 
urchristliche Kunst gegeben, in eine ähnliche mittelalterliche 
umgestaltet. Die Umrisse sind noch scharf und bestimmt, 
die Schattengebung nur massig, der Hintergrund licht; wie 
bei den meisten Fresken jener Zeit (wenn man das Wort ge- 
statten will) ist die Malerei in Wasserfarben ausgeführt  
ob mit einem Leimzusatz und ob auf die nasse oder die 
8. trockene Mauer, wird kaum zu entscheiden sein.  Der 
zweiten Hälfte des XII. Jzthrhunderts mag die grosse Ma- 
donna angehören, welche im Kloster Neuwerk zu Goslar die 
Halbkuppel der Chornische einnimmt. In einem Regenbogen, 
umschwebt von sieben Tauben, welche die Gaben des heil. 
Geistes andeuten, sitzt die heil. Jungfrau mit Krone und 
Schleier auf dem Thron und hält das segnende Kind, welches 
durchaus bekleidet ist, auf ihrem Schoosse; die Farben sind 
licht und hell, die Gewänder fein und bestimmt gefaltet und 
gesäumt, der Kopf der Madonna nicht ohne Würde. (Eine 
vorsichtige Restauration dieser Kirche würde noch viele 
9. andere Fresken zu Tage fördern können.)  An dem über- 
tünchten Gewölbe der Crypta der Stiftskirche zu Quedlin- 
burg, über dem zerbrochenen Grabe König Heinrichs 1., 
schimmern noch die alten Malereien hervor, und an einigen 
Stellen, WO die Tünche abgefallen ist, sieht man die Unter- 
zeichnung, die in einem reinen, tüchtigen und Verhältniss- 
mäSSig edlen Style ausgeführt ist. Allerdings darf man hier 
wie in all diesen Wand- und Deckenbildern noch keine indi-
        

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