Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160924
Wandmalerei. 
Deutschland. 
181 
aus dem XII. Jahrhundert erhalten istä). An den Wänden 
(vielleicht symmetrisch in die Nebenschille und an die Ober- 
mauer des Mittelschiffes vertheilt.) sah man 32 IIeilig-e und 
zehn Seenen aus der Geschichte Christi von der Verkündi- 
gung bis zum bethlehemitischen Kindermord; die Chornisehe 
dagegen enthielt nur eine kolossale Darstellung: in der Halb- 
kuppel Christus gen Himmel fahrend und. zur Rechten Gottes 
Sitzend, dann Sonne und Mond, vier Engel und vier Leuch- 
ter, weiter abwärts die 12 Apostel und die zwei Männer in 
weissen Gewändern; unter ihnen die Qrdensstifter und L0- 
kalheilligen  Alle aufwärts bliekend nach dem gen Him- 
mel schwebenden Christus. Die Darstellung schloss unten 
mit einem gemalten Teppich, über welchen man einen wirk- 
lichen Teppich zu hängen pflegte   
Eine Zwischengattung von Teppich und Wandgemälden 3. 
finden wir in den „Gemälden auf Leinwand" (linteamina 
depicta), welche Conrad, Abt von St. Michael in Hildesheim, 
im Jahre 1127 anschaffte, um die Wände seiner Kirche zu 
bekleiden, vielleicht in Erwägung eines baldigen Umbaues 
derselben. Man darf hier sicher an Figuren, nicht an blosse 
Ornamente denken, denn letztere wären, wenn auch nur für 
eine Dauer von Wenigen Jahren, wohl unmittelbar auf die 
Mauer gemalt wortlen, wofür in dem kunstfleissigen Hildes- 
heim Hände genug vorhanden sein musstenmx). 
Von den wenigen erhaltenen Werken deutscher m0nu- 4- 
mentaler Malerei vom XI. bis in das XIII. Jahrhundert be- 
sitzt zufälliger Weise gerade diess S. Michaelskloster das 
grösste, praehtvollste und künstlerisch bedeutendste: nämlich 
die noch beinahe vollständig erhaltene, wohl 100 Fuss lange 
Holzdecke über dem Mittelschiff der Basilica, jetzt das 
m) Aus Pez und Meichelbeck mitgetheilt bei Fiorillo, a. a. O. 1., 
S. 178. Die Anordnung in der Nische hat einiges Dunkle. ' 
H) So erkläre ich die räthselhaften Worte: Juxta tcrram vero eius- 
dem tribunalis (d. h. Chornische) 191,12 wlamen, supra illud velamentum. 
im") Vorstehendes ist theilweise aus Emeric-David, a. a. O. bes. 
S. 110 u. f. und aus Fiorillo, a. a. 0., bes. 1., S. 397, 456 und II., 
S. 23 entnommen.
        

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