Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160876
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Buch II. 
Mittelalter. 
Der Norden. 
Romanischer Styl. 
der Farbenbehandlung herrscht in den Arbeiten dieses Styles 
(was wenigstens die Miniaturen der Manuscripte betrifft) oft 
dieselbe Sauberkeit und Heiterkeit der Farben, wenn auch 
nicht dieselbe feine Ausführung, wie in den oben erwähnten 
Bamberger Handschriften, und diess ist wahrscheinlich eben 
so, wie bei jenen, byzantinischern Einflüsse oder einer Nach- 
12. Wirkung desselben, zuzuschreiben. Doch mit grossem Un- 
recht pflegt man den ganzen Kunststyl dieser Periode ins- 
gemein als einen byzantinischen zu bezeichnen; er war 
vielmehr in dem eigenthümlichen Entwieklungsgange der 
deutschen Kunst mit N othwendigkeit bedingt, und seine Aehn- 
lichkeit mit dem wirklich byzantinischen ist mit Ausnahme 
des eben Gesagten vielmehr ein zufälliges Zusammentreffen 
als eine innere Verwandtschaft: beide haben eine gewisse 
äusserliche Strenge der Anordnung gemein, nur dass diese 
in Byzanz ein Merkmal der Abgestorbenheit, im Abendlande 
aber die Gesetzmässigkeit eines neu beginnenden Kunsttrie- 
bes ist. Von einer absichtlichen, willkürlichen Nachahmung 
der byzantinischen Kunst ist nicht die Rede. Das Einzelne, 
welches hier beweisend ist, zeigt durchgängig die wesentlich- 
sten Unterschiede. WVährend der byzantinische Faltenwurf 
zur sinnlos-regelmässigen Strichelei wird, sehen wir hier eine 
zwar ebenfalls überzierlich gefaltete, aber viel mehr dieKör- 
perform und Bewegung ausdrückende, oft sehr edle Gewan- 
dung; statt des byzantinischen Greisenthums sind die Köpfe 
fast sämmtlich jugendlich aufgefasst; statt der Regungslosig- 
keit byzantiniseher Gestalten sehen wir Bewegung, so unge- 
schickt sie hie und da sein mag, und die Anfänge echten 
Lebens. Was von aussen hinzukam, beschränkt sich sonach 
1.3. wesentlich auf die Ausführung. Am besten bezeichnen wir 
diesen Styl als den romanischen, wie wir die Tochter- 
sprachen des Lateinischen nach Vollendung ihrer Umbildung 
romanische und den Baustyl des XI. und XII. Jahrhunderts 
als einen aus der Antike neu gebildeten einen romanischen 
nennen. Auch in der Malerei liegen hier die Formen des 
classischen Alterthums zu Grunde, sind aber von einem neuen 
Volksgeist umgestaltet und neu benützt.
        

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