Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160866
Einheimischer 
Ursprung. 
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und da im Einzelnen, in untergeordneter Weise hervor. Im 
(iegentheil lwetblgt hier die Zeichnung ein strenges typisches 
Gesetz, es zeigt sich das Bestreben, die Formen der Gestal- 
ten überall in scharfer und bestimmter Weiße ZU fiIFSCII, die- 
selben so viel als möglich in gemessener, symmetrischer An- 
ordnung vorzuführen. Ein näheres Eingehen auf (1011 Ofgil- 
nisehen Zusammenhang des menschlichen Körpers mangelt 
lliebei freilich nQCh entschieden,  diess gehört einer späitern 
Entwicklungsperiode der Kunst an; am Schiirfsten aber tritt 
diese strenge Symmetrie in den Linien der Gewandung, so- 
wie in den beigeordneten Gegenständen aus der Thier- und 
Pflanzenwelt hervor, welche letztern ganz nach Art der Ara- 
besken behandelt sind. Ja die gesannnte Darstellung wird 
nicht selten, wenn sich sonst die Gelegenheit dazu darbot, 
arabeskenhaft ineinander geschlungen, und die Arabeske 
selbst, die phantastische Verknüpfung des seiner Natur nach 
Verschiedenartigen, tritt zuerst bedeutsam und mannigfaltig 
hervor. Der bildenden Kunst dieser Zeit liegt im Wesent- 
liehen ein architektonisches Princip zu Grunde; sie trägt mehr 
den Charakter eines Qrnamentes, sowohl Wo sie in grösserm 
Blaasse zur Verzierung der YVände als in kleinerem zur Aus- 
schmückung der Bücher angewandt wurde. Es ist das erste 
selbstthätige Pulsiren der Kunst, Welches sich hier, wie über- 
all auf der ersten Entwicklungsstufe, durch strenge Gesetz- 
mässigkeit ätissert, die ZWEII" nur ätusserlich formell erscheint 
und die tiefern Gesetze der organischen Natur noch nicht 
begreift, die aber zunächst dazu dient, der ins Formlose aus- 
schweifenden Phantasie bestimmte Grenzen vorzuzeichnen. 
Jetzt erst tritt die völlige Metamorphose des antiken Styles 
und der Anfang eines neuen offen zu Tage; doch sind jene 
durch Üeberlieierung von ausserhalb eingeführten Vorbilder, 
jene idealen Typen des klassischen Alterthums, welche vor- 
nehmlich in den Arbeiten der karolingisehen Zeit nachklin- 
gen und auch den Werken der byzantinischen Kunst zu 
Grunde liegen, noch immer beibehalten, und sie bewirken 
insbesondere, dass jene äusserliche Gesetzmässigkeit zugleich 
mit einer höhern WVürde und Majestät gepaart bleibt. In
        

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