Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160770
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Buch II. Mittelalter. 
DerNorden. 
Naehwirkg. 
d. Antike. 
neun Engelehören; die acht Menschen in der Arche Noah 
mit den acht Seligkeiten; die sieben Säulen des Hauses der 
Weisheit mit den sieben Gaben des heil. Geistes; die sechs 
Schöpfungstage mit den sechs Weltaltern, u. s. f. Man sieht, 
welchen unerschöpflichen Stoff solch ein symbolisches Sche- 
matisiren der bildenden Kunst zuführen musste, und Dianehes 
dieser Art War unläugbar tiefsinnig und poetisch gedacht; 
Anderes aber erscheint sehr gezwungen und verläuft sich in 
4- spielende Willkür. Wir theilen zur Probe aus Glaber Ra- 
dulphus,  cap. 1) einem französischen Schriftsteller um das 
Jahr 1030, ein Schema von vorgeblich einander entsprechen- 
den Dingen, Personen und Begriffen mit, um eine Anschau- 
ung von dem bunten,  verwirrten Gedankengang zu geben, 
Welcher der kirchlichen Nlalerei in vielen Fällen als Grund- 
lage 
dienen 
mochte: 
Evangelisten: Johannes Lucas 
Elemente : Aethcr (d. h. Luft 
Feuer) 
Cardinaltugenden: prurlßntfa fortfiurlo 
Sinne: Gesicht und Geruch 
Gehör 
Paradiesesiliisse: Phison T igris 
Welmlter: Von Adam bis Von d. Sünd- 
zur Siindfluth. fluth bis auf 
die Patriar- 
chen. 
hiarcus 
Wasser 
lklatthaeus 
Erde 
te mperantia 
Geschmack 
iusteftia 
Gefühl 
Geon Euphratcs 
Von Moscsb. Von Christus 
vor Christus. bis ans Ende 
der Tage. 
5. Hier überwiegt offenbar die ViriPkür und man wird nur 
Wenigcs gedankenniässig rechtfertigen können, allein es lässt 
sich vollkommen begreifen, dass für die Andacht jC1181'_ZOlt 
etwas Geheimnissvoll-irnposantes in dieser Mystik lag. In 
ihrer Verbindung mit den leichter verständlichen Darstellungen 
z. B: des neuen Testamentes musste sie bei einem so kind- 
lichen, so Wenig entwickelten Bildungszustande ehrfürchtige 
Ahnungen erregen; in dieser Bildersehrift war  das einzige 
 über das gewöhnliche Leben hinausgehende Interesse des 
Halbbarbaren aussehliesslieh enthalten, indem sie ihm die 
Stelle alles Unterrichts vertrat. Der naive Beschauer musste 
sich hingerissen fühlen, die Welt der Kunstfdie solche Dinge 
schaffen konnte, als eine höhere, von den Begebnissen des
        

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