Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160769
Wandmalereien. 
Inhalt 
und 
Wirkung, 
165 
barbarisch vorstellen, besonders so lange die grellen Farben 
noch frisch waren. Eine Normalkirehe (licser Art bot dem 
Auge keinen einzigen Ruhepunkt, denn nicht bloss die WVände 
des Mittelschiffes und die Nebenschiäe, sondern eüCh die 
Decke- und die Nischen waren mit Figuren angefüllt. Mög- 
lichste Pracht war das Prineip und jene Zeit konnte darin 
viel vertragen. Wie in allen naiven Kunstepochen erregte 
gerade das , was am wenigsten gelang, nämlich die Nach- 
ahmung der Natur die meiste Bewunderung, und die Bericht- 
erstatter glauben das Höchste zu sagen, wenn sie etwa bei- 
fügen: die Gestalten in irgend einem Gemälde hatten gleich- 
sam gelebt oder seien der WVirklichkeit nahe gekommen. 
Jedenfalls aber durfte diese von fränkischen Bildwerken weit 
eher gelten als von byzantinischen, insofern sie wirklich bei 
aller Rohheit sehr viel Leben und Bewegung besitzen 
mochten. Unabhängige Geltung nahmen diese Fresken über- 
diess nicht in Anspruch; eng mit der Architektur verbunden, 
waren sie den Zwecken dieser in mancher Beziehung unter- 
than und wurden gewiss in den meisten Fällen nur als mög- 
lichst prunkvolle Decoration behandelt; individuelles Dasein, 
Freude an der Erscheinung des Einzelnen dürfen wir dem- 
nach nicht darin voraussetzen. Die Gesammteomposition 3. 
aber dürfte oft sinnvoller und COIISGQUCIHGI" gewesen sein als 
z. B. in San Marco, wenigstens berechtigen uns die oben 
erwähnten Fresken aus der Zeit Carls des Grossen und ein- 
zelne fortlaufende Andeutungen in den Schriftstellern zu 
diesem Sehlusse. Vor Allem war damals das Abendland 
in der kirchlichen Symbolik, welche die Grundlage zu solchen 
Gcsammtdekorationen zu liefern hatte, mindestens eben so 
weit fortgeschritten als Byzanz. Es wurde bereits erwähnt, 
wie streng der Parallelismus des alten und des neuen Testa- 
mentes in Kunstwerken dieses Zeitalters durchgeführt war, 
indem man zu jedem wichtigen Ereigniss ein Gegenstück 
fand; nun wurden z. B. auch die heiligen Zahlen in ein 
System gebracht, und schon Alcuin verglich die zehn Plagen 
Aegyptgng mit den zehn Christenverfolgungen; die neun 
Steine, womit der gefallene Erzengel bedeckt wurde, mit den
        

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