Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160716
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Buch II. Mittelalter. Der Norden. Nachwirkg. d. Antike. 
seines Domes die Gestalten von Engeln undtHeiligen an; 
Heribald, Bischof von Auxerre, liess den Dom und die 
Marienkirche seiner Residenz durchgängig mit Gemälden 
schmücken, sein Nachfolger Gaudericus (X. Jahrh.) ebenso 
die Decke von S. Eugenia; von dessen Nachfolger Guido 
rührte die Darstellung der Höllenstrafen und der Paradieses- 
freude im Dom her; Bischof Gerhard liess in Toul den Dom 
ausmalen; im Kloster St. F lorent zu Saumur waren im X. 
Jahrhundert fast die sämrntlichen wichtigem Räume mit Fi- 
garen bedeckt; in Chalons s. M. Wurden schon 999 die 
altern, verbliebenen Fresken einer Kirche mit neuen über- 
Inalt; im erzbischöflichen Pallast zu Rheims prangten die 
 Decken mit Gemälden.  Nicht minder massenhaft trat die 
Wandmalerei während des IX. und X. Jahrhunderts in 
Deutschland auf, WO die grössern Stifte und Klöster ebenso 
viele, zum Theil sehr thätige Kunstschulen waren. Der Neu- 
bau des Klosters St. Gallen um die Mitte des IX. Jahr- 
hunderts wurde von Reichenauer Mönchen ausgemalt; bis 
872 war nicht nur die Chornische, sondern auch sämmtliche 
WVände derselben von oben bis unten mit Gemälden auf Gold- 
grund geschmückt, und ein Jahrhundert später selbst die 
Decke, die Thüren, und die im Kreis gebaute Vorhalle. In 
und für St. Gallen arbeitete zur Zeit Oarls des Dicken der 
berühmte Tutilo, in welchem eine gewaltige Athletennatur 
mit der allseitigsten Kunstbegabung vereinigt war. Poesie, 
Beredsamkeit und Musik standen ihm nicht minder zu Ge- 
bote als Baukunst, Metallarbeit und Malerei; mit Einwilligung 
der Aebte seines Klosters hatte er weite Rundreisen in diesen 
Zwecken gemacht und sich die ganze Kunstbildung seiner 
Zeit angeeignet. Wie St. Gallen blieb auch das benach- 
barte Kloster Reichenau im Bodensee für die nächstfolgenden 
Jahrhunderte ein Hort der Kunst. Aus dem Jahre 912 haben 
wir hier den Namen des Malers Hademar, von welchem noch 
Einiges bis in's vorige Jahrhundert erhalten gewesen sein 
soll; die Hauptblüthe aber folgte erst unter Qtto IIL, als 
der kunstliebende Abt vVitigoxvo u. a. an den Wänden des 
Ilauptkreuzganges das Leben der Altväter und die Gestalten
        

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