Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160684
Deutsche 
Miniaturen 
des 
Jah rhund erts. 
157 
Meister, wenn er neu componiren wollte und konnte, der 
freiste Spielraum offen blieb. Der Künstler nennt sich im 
Prolog Ingobertus und war sonach wahrscheinlich ein 
Franke  Carl der Kahle als Stifter des Buches ist hier 
wiederum auf dem teppichbehangenen Throne zwischen sei- 
ner Gemahlin, seinen Wadenträgern, den Cardinaltugenden 
und zwei Engeln abgebildet, mit glattem Gesicht und spitzem 
Scl1nurrbart_  Nach pomphafter- ist das Bildniss dieses Für- 6. 
sten in dem aus Metz stammenden Psalterium der kaiserl. 
Bibliothek zu Paris, Welches zwischen S42 und 869 von 
einem gewissen Liuthairt. verfertigt wurde. Derselbe Maler 7. 
und sein Bruder Beringar vollendeten im Jahre 880 die 
Evangelienhandschrift von St. Emmeran in Regensburg, welche 
sich jetzt auf der königl. Bibliothek in München befindet und 
neben andern merkwürdigen Gemälden ebenfalls eine Pracht- 
darstellung Carls des Grossen enthält. Wie in der Vulgata 
von Tours sind hier die Provinzen des Reiches nach antiker 
Weise durch weibliche allegorische Figuren personificirt.  
Ein Evangeliarium der kaiserl. Bibliothek in Paris aus der 8. 
spätern Zeit des IX. Jahrhunderts verräth den tiefern Verfall 
durch Sinnlosigkeit des Nackten, Plumpheit der Umrisse, 
nachlässige Schattirung und grellbunte Farben.  In den 9. 
nicht sehr zahlreichen französischen und englischen Bilder- 
handschriften des X. Jahrhunderts werden die Figuren immer 
unförmlicher, die Angabe von Licht und Schatten geringer, 
Ornamente und Initialen ärmlicher; das Ganze gewinnt das 
Ansehen plump illuminirter Federzeichnungenää). 
Ausser der oben genannten Wessobrunner Handschrift")- 
kommen auch in Deutschland noch anderweitig Codices vor, 
welche dem IX. Jahrhundert angehören und mit Miniatur- 
bildern geschmückt sind, die in dem pastosen Auftrage der 
Farben, so wie in manchen Eigenthümlichkeiten der Zeich- 
nung, eine nahe Verwandtschaft mit den prachtvollern, am 
ü) Vgl. Rumohr, a. a. O. I, 224, Wo auch die Bekleidungen 
fränkisch, die Charaktere auffallend nordisch genannt werden. 
im) Eine Namenaufzählung von Miniatoren der karolingischen Zeit 
bei Emäric-David, a. a. 0.„ S. 72.
        

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