Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160674
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Buch II. Mittelalter. Der Norden. 
Nachwirkg. d. Antike. 
nur ist nicht zu vergessen, dass schon das fränkische Hof- 
ceremoniell an sich eine Nachahmung des byzantinischen war. 
4.  Dieselbe Bibliothek bewahrt ein Saeramentarium ans der 
ersten Hälfte des IX. Jahrhunderts, dessen Initialen in kleinen 
und flüchtigen, aber mit antiker Praxis gemalten Bildern u. a. 
vielleicht die frühsten Martyrien nordischer Herkunft ent- 
halten, worunter zumal der Tod des heil. Laurentius als vor- 
züglich bezeichnet wird. Von der kühnen Symbolik der da- 
maligen Zeit giebt z. B. das Bild mit. dem Gekreuzigten 
einen Begriff, wo eine weibliche Gestalt mit der Siegesfahne, 
der „neue Bund", das Blut der Seitenwunde in einem golde- 
nen Kelch aufnimmt, während der alte Bund in der Person 
des Moses (P) seitwärts steht. 
5. Eine Reihe höchst prachtvoller Handschriften ist auf 
Veranlassung Carls des Kahlen (T 877) entstanden, welcher 
bei tiefer Nichtswürdigkeit einen gewissen Sinn für Bildung 
und noch mehr für Luxus in byzantiniseher Weise besass. 
Unstreitig das bedeutendste dieser WVerke ist die berühmte 
Bibel von San Paolo bei Rom, jetzt in S. Calisto jenseit der 
Tiber befindlich, welche früher mit Unrecht in die Zeit Carls 
des Grossen gesetzt wurde. Die Ausführung in den grossen 
und zahlreichen historischen und symbolischen Miniaturen er- 
scheint durchaus barbarisch, aber auf einer noch so sichtbaren 
antiken Grundlage, dass man sehr oft an den oben erwähnten 
Josua erinnert wird. Die schwierigsten historischen Gegen- 
stände sind bei aller Rohheit und bei einem gänzlichen Man- 
gel an Anordnung doch mit dramatischer Beweglichkeit, 
glücklich gedachter Geberde und lebendigen Beziehungen 
zwischen den einzelnen Figuren durchgeführt. Das I-Ierbei- 
stürzen eines Boten, das Aufhorchen dessen, der die Nach- 
richt empfängt, die scheue Begeisterung vor dem Uebernatür- 
liehen, der Jammer der Verlorenen (z. B. bei der Bestrafung 
der Rotte Korah) u. s. f. ist, so weit diess durch den Gestus 
geschehen kann, vortrefflich ausgedrückt. Einiges ist aus der 
oben genannten Vulgata von Tours wiederholt oder doch 
nahe damit verwandt, denn auch im Abendlande Waren ge- 
wisse Eründungen traditionell geworden, obschon dem spätem
        

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