Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160662
Miniaturen 
Curls 
des 
Kahlen. 
155 
noch keinen hinlänglich vorbereiteten Boden gefunden hatte. 
Fast zwei Jahrhunderte gehen noch vorüber, ehe von einer 
wahren Weiterbildung die Rede sein darf. 
Ein Evangelienbuch des Kaisers Lothar I. (840-855) 
in der Kaiserl. Bibliothek zu Paris enthält zunächst das Bild 
des thronenden Kaisers im Purpurmantel, dann einen Christus 
auf der Wieltkugel und die vier Evangelisten in übertrieben 
begeisterten; Gestus. Die Goldschrafürungen und die grosse 
Eleganz sämmtlicher Ornamente weisen diesem Werke eine 
Stelle Zunächst denjenigen aus der Zeit Carls an. Dasselbe 
gilt von einer ebendort aufbewahrten Vulgata, Welche theil- 
weise noch unter Ludwig dem Frommen, jedenfalls vor 850, 
wahrscheinlich in Tours entstanden ist. Hier ist mehrmals 
die Handlung reliefartig in verschiedenen Streifen übereinander 
dargestellt und bildet eine fortlaufende Erzählung; eine An- 
ordnung, welche in fränkischen Handschriften öfter wieder- 
kehrt. So sieht man den h. Hieronymus nach Rom reisend, 
den Schreibern die Vulgata diktirend und das vollendete 
Werk austheilend; ähnlicher Weise zerfäillt die Geschichte 
der ersten Menschen in Erschaffung, Sündenfall und Feld- 
arbeit, und die des Paulus in seine Bekehrung, Heilung und 
Predigt. Besonders schön ist das Titelblatt der Psalmen er- 
funden: dcr jugendliche David in Krone und Purpurmantel, 
schreitet auf der Harfe spielend in einem grossen blauen 
Nimbus einher, rechts und links seine Leibwächter (die Crethi 
und Plethi; in altrömischer Kriegstracht, in den vier Ecken 
mit Fähnchen und Musikinstrumenten, andere auf die Psalmen 
bezügliche Personen (Asaph, J edithun etcf), und in den vier 
Zwickeln des Nimbus die Cardinaltugenden  alles in den 
edeln, freien Bewegungen und auch in Costüm und Falten- 
Wurf der Antike verwandt. Das letzte Blatt ist erst unter 
Carl dem Kehlen hinzugekommen und stellt diesen Kaiser 
auf dem Throne vor, umgeben von Prinzen, Hofleuten und 
Leibwächtern; zwölf Geistliche der Kirche von Tours bringen 
ihm ein Buch (d. h. vorliegende Bibel) dar. In solchen Cere- 
monienbildern mag immerhin der Gedanke byzantinisch sein, 
auch wenn die Ausführung der einheimischen Kunst angehört,
        

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