Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160642
Miniaturen 
der 
spätem Carolingerzeit. 
153 
Carls Schwester Ada gestiftetes Evangeliarium, mit den Ab- 
bildungen der Evangelisten. Die Gewandung ist z. B. im 
Lucas noch grossartig antik, dagegen entsprechen die Köpfe 
in der Behandlung dem Vorigen, die Extremitäten sind gross, 
Finger und Zehen gesehweilt. Die Ausführung ist frei und 
breit, aber sauber und bestimmt, die Farben mehr harmonisch 
im antiken Sinne als man es sonst in fränkischen Miniaturen 
zu finden gewohnt ist. Ein sehr bestimmter Nachklang antik-- 
idealer Richtung und zugleich ein charakteristischer Unter-l 
schied vom byzantinischen Styl offenbart sich in der Jugend- 
lichkeit der Gestalten, welche wie in der Handschrilt von 
St. Medard sämmtlich bartlos gebildet sind; ein Zug, welcher 
auch in der späitern antiken Kunst, selbst bei Altvätern und 
Propheten wiederkehrt, während die byzantinischen Heiligen 
bekanntlich immer greisenhafter werden.  Eine schöne Hand- 5, 
schritt der Vnlgata, in Carls Auftrag von Alcuin besorgt, ehe- 
mals dem Kloster Bellelay im Jura angehörend, ist vor einigen 
Jahren nach England gegangen. Sie enthält, wenn wir nicht 
irren, 'vier grosse alttestamentliche und apokalyptische Dar- 
stellungen, von welchen besonders die erstern (u. a. die Ge- 
schichte des Moses, dessen Kopf utahrseheinlich Carls Bild- 
niss ist) sich noch durch unverkennbar antike Motive aus- 
zeichnen.  Es kann nicht befremden, dass die im Innern s, 
von Deutschland, fern vom Hofe und seinem Luxus ausge- 
führten Arbeiten in der Ausführung dürftiger sind. Dahin 
gehört jenn: Pergamenthandschrift des bairischen Klosters 
Wessobruiin vom Jahre 814 oder 815i), welche u. a. das" 
berühmte WVessobrtmner Gebet, eins der ältesten Ueberbleibsel 
deutscher Poesie, enthält und sich gegenwärtig in der Hof- 
bibliothek zu München beündet. In dem vordern Theile 
dieser Handschrift ist, zur Erklärung des Textes, eine Reihe 
von Bildern enthalten, welche die verschiedenen Begebenheiten 
a) Ueber diese u. a. deutsche Miniaturen vgl. in Kugler' 3 "M11. 
seum, Blätter für bildende Kunst", Jahrg 18154, N0. ll-liz, 2;, 22 
einen Aufsatz des Herausgebers: "Studien in deutschen Bibliotheken." 
Ueber die betreffende Handschrift s. N0. 13, S. 99, 1.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.