Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160630
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Buch II. Mittelalter. Der Norden. N achwirkg. d. Antike. 
köpfen  vielleicht der höchste Triumph, dessen die Kalli- 
graphie sich rühmen kann. 
2. Die wichtigsten Denkmäler dieser Gattunga") besitzt 
wiederum Paris. In der Kaiser]. Privatbibliothek des Louvre 
befindet sich ein auf Befehl Carls von einem Maler Gott- 
schalk binnen sieben Jahren verfertigtes Evangelienbueh 
(les heures de Charlemagne) in Goldschrift auf Purpurperga- 
rnent, dessen Bilder die Evangelisten, einen thronenden 
Christus und eine Darstellung des Lebensbrunnens enthalten, 
Die Figuren sind steif und ungeschickt, doch bewegt; in den 
Köpfen sind die hoehgewölbten Augen, die stark geschwunge- 
nen Stirnknochen, so wie die oben schmalen, unten breiten 
Nasen charakteristisch (letztere im geraden Gegensatz gegen 
die byzantinische Physiognomie); auf dem letzten Bilde sind 
um das aehtsäiulige Gebäude des Brunnens Vögel aller Art, 
3_ an Pflanzen pickend, vertheilt.  Ungleich bedeutender ist 
ein Evangeliarium der Kaiserl. Bibliothek, Welches aus 
der Abtei St. Medard zu Soissons stammt. Auf dem ersten 
Blatte sieht man in ein prächtiges Gebäude, die Kirche vor- 
stellend, eingefasst die Zeichen der Evangelisten und das 
Lamm mit den 2-1 Aeltesten; dann folgt wiederum der Brunnen 
des Lebens und die mit schönen bunten Architekturen von 
korinthischem Styl eingefassten Canones. Im Detail der Ver- 
zierung lassen sich oft noch ganz antike Motive erkennen, 
selbst bacehische Genien, wie denn auch Löwe und Stier we- 
nigstens einmal der Bewegung des anspringenden Pegasus 
nachgebildet sind. In den folgenden Darstellungen (Christus 
auf dem Thron und die Evangelisten einzeln) zeigt sieh die- 
selbe Auffassung wie in dem vorigen Manuscript, nur sind 
die Verhältnisse schlanker und die Bewegungen übertrieben 
4_ lebhaft, um die göttliche Begeisterung auszudrücken.  Die 
dritte erweislich aus Carls Zeit herrührende Bilderhandschrift 
ist der Codex anrens der Stadtbibliothek zu Trier, ein von 
 Mit grosser Pracht nachgebildet in dem leider unv0llendet_ge- 
bliebenen Werk des Grafen Aug. de Bastard: Peintures et ornamens 
des Manuscrits (4-16. Siecle '
        

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