Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160624
Miniaturen 
der 
Zeit 
Carls 
des 
Grossen. 
151 
ä. 41. Von diesem Allem ist jedoch nicht der kleinste l- 
Ueberrest auf unsere Zeit gekommen und wir würden den 
Styl karolingischer Malerei nicht kennen, wenn nicht die unter 
Carl und seinen nächsten Nachfolgern verfertigten Minia- 
turen uns einige Auskunft gäbenä). Sie zeigen sämmtlieh 
einen verwilderten antiken Styl, der auch in den Gegenstän- 
den noch deutlich auf seinen Ursprung ZuYüCkWeiSt, Z- B- 
durch einzelne Personificationen und durch die mythischen 
Thiere (Greife, Meerböcke, u. s. w.) in den Ornamenten. 
Meistentheils liegen altchristliche Vorbilder zu Grunde; in 
einzelnen Köpfen, in den Goldschraffiieungen der Gewänder 
und in dem grünen Ton der Fleischschatten lässt sich hie 
und da auch ein byzantinischer Einfluss erkennen, wenn wir 
nicht eher an ein zufälliges Zusammentreffen mit dem byzan- 
tinischen Miniaturstyl zu denken haben; der Farbenauftrag 
ist der spätrömische, die Gesammtwirkung oft grellbunt. Der 
Verwilderung endlich gehört die grosse Rohheit der Zeich- 
nung, die plumpe Willkür in den Extremitäten und die Dicke 
der Köpfe an. Das Eigenthümliche des Styles aber, was ihn 
wesentlich von dem byzantinischen wie von dem irischen 
unterscheidet, liegt in dem Fliessenden, Runden, Beweg- 
lichen der einzelnen Figuren und (wo die Gelegenheit 
vorhanden war) in der Lebendigkeit der Composition. In den 
Thierfiguren zeigt sich sogar durchschnittlich eine grosse 
und eigenthümliehe Naturwahrheit. Der Grund ist nicht mit 
Gold, sondern mit Streifen von verschiedenen Farben belegt; 
oft bleibt auch das Pergament sichtbar. Die architektonischen 
Ornamente, welche einzelne Seiten des Textes einzufassen 
pflegen, bestehen oft aus zierlichen antiken Motiven, die Ini- 
tialen aus einem prachtvollen Labyrinth von räthselhaft und 
höchst geschmackvoll verschlungenen goldnen Riemen und 
Bändern auf violettem Grunde, mit Laubwerk und Thier- 
'19) Auch hier wieder sind Waagexfs vortreffliche Beschreibungen 
(a. a. O_ Bd, III, S. 233) unsere Hauptquelle. Bei D'Agincourt, 
Malerei, ist besonders Einzelnes aus der Bibel W11 S- P3010 (Tüf- 40 
u. f.) brauchbar.
        

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