Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160578
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Buch II. Mittelalter. Der Norden. Nachwirkg. d. Antike. 
und selbst in dem bald darauf erfolgten Zusammensturz aller 
Verhältnisse muss die Kunst nicht so sehr gelitten haben als 
man vermuthen möchte. Fortwährend wird gebaut und ge- 
malt; die Gattin des Bischofs N amatius von Clermont diktirt 
den Malern, welche die dortige Stephanskirche ausmalen, die 
Gegenstände aus einem Historienbuche; eine wahrscheinlich 
besonders prächtig bemalte Decke über dem Grabe des heil. 
Martin von Tours wird auf eine andere Basilica übergetra- 
gen; im VI. Jahrhundert war St. Germain des-pres ausser 
seinem vergoldeten Dach innen mit. Wandgemälden auf Gold- 
grund, einem vergoldeten Plafond und prachtvollem Boden- 
mosaik geschmückt; hundert Jahre später prangte S. Denis, 
die Stiftung Dagoberfs 1., in einem bisher unerhörten Schmuck; 
von der Genovevenkirche in Paris wird sogar gemeldet, dass 
sie innen und aussen mit Mosaik verziert gewesen sei. Da 
von diesen und andern gleichzeitigen Werken nichts erhalten 
ist, so lassen wir den Styl derselben auf sich beruhen; doch 
war es ohne Zweifel eine etwas barbarisirte und innerlich ver- 
armte Umbildung der Antike. Auch von den dargestellten 
Gegenständen wissen wir so viel als nichts; wenn Gregor 
von Tours (um 600) ein Crueiüx in einer Kirche von Nar- 
bonne erwähnt, an welchem der Gekreuzigte nackt dargestellt. 
war, so deutet diess, wie in der spätem fränkischen Kunst 
die häufige Darstellung Gottes des Vaters, auf eine grössere 
Freiheit als die gleichzeitige byzantinische Kunst besass. Die 
wenigen sichern Ueberreste, wie z. B. die Mosaikplatte vom 
Grabe Fredegundens in der Gruft von S. Denis, sind von 
zu untergeordneter Gattung, als dass sie einen allgemeinen 
Schluss erlaubten, Auch in den eigentlich deutschen Landen 
sind keine Werke vorkarolingischer Malerei bis auf uns ge- 
kommen. Eher lassen sich noch Metallarbeiten aus jener Zeit 
nachweisen, wie z. B. der um das Jahr 700 gefertigte Re- 
liquienschrein des Münsters von Emmerich, dessen eine Seite 
Bertin. zum Jahr 857, und die Leben der damaligen Hänkischen Hei- 
ligen, z. B. Vita S. Droctovai.  S. auch Emäric-Dauid, hist. de la 
peinture, p. 57 u. f.
        

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