Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160414
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Buch I. 
Christl. Alterthum. 
Byzantinische): Styl. 
Ansehen gewinnen, vollends bei der byzantinischen Formen- 
aufassting, bei dieser Magerkeit und Länge (bis zu 13 Kopf- 
längen) der ganz haltungslosen und conventionellen Heiligen, 
B. welchen jede Bewegung so schwer wird. Andere Thüren 
dieser Art am Dom von Amalfi (1062), am Dom von Salerno 
(um 1080), u. a. 1n. haben nur in den Mittelfeldern solche 
mit Silber eingelegte Figuren, während die übrigen bloss mit 
rohen aufgenietcten oder aufgelötheten Kreuzen, Vasen u. s. 
w. verziert. sind; offenbar begnügte man sich, einige wenige 
von den kostbaren byzantinischen Tafeln anzukaufen und 
7. arbeitete den Rest an Ort und Stelle. Von den innern 
T hüren von San Marc 0 in Venedig ist dagegen die mittlere, 
in Venedig selbst gegossene, mit lauter einzelnen Figuren 
versehen, welche vollkommen denselben Styl zeigen wie die 
echt byzantinischen. Das Zierliehste in dieser Gattung dürfte 
ebendort die Thür rechts sein, welche ehemals in Konstanti- 
nopel an der Sophienltirche gestanden haben soll; hier sind 
nicht nur die Umrisse der unter hübschen Hufeisenbogen 
stehenden Figuren feiner (lurchgeführt, sondern auch die 
architektonischen Einfassungen, welche in diesem Falle nicht 
erst im Abendlande hinzugekommen, sondern ebenfalls byzan- 
tinische Arbeit sind, haben ihre mit Silber eingelegten Orna- 
mente.  Es braucht. kaum gesagt zu werden, dass an allen 
für Diebeshände irgend erreichbaren Stellen solcher Thüren 
die Silberdrähte und die kleinen Silberfläehen, womit. Gesichter 
und Extremitäten ausgedrückt. zu werden pflegten, in der 
Regel weggeklaubt sind, und diess vollendet den gespenster- 
haften Eindruck der schon ohnediess ganz leblosen Gestalten. 
g_ S0 umging die byzantinische Kunst jede Gelegenheit, 
wo sich, wie im Metallguss, die Plastik fast. gebieteriseh auf- 
zudräingen schien, durch möglichste Beschränkung auf die 
Flachdarstellung; bei Altartafeln und Erzthüren ersetzte sie 
das im Norden schon meisterlich behandelte Relief durch 
kostbares, mühsames Email und Silberniello. Man wird sich 
nicht wundern, wenn nun auch die wenigen, sehr flachen Re- 
liefs, zu welchen sie sich bisweilen verstand, nichts anderes 
mehr als in Marmor übersetzte Gemälde sind und mit dem
        

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