Volltext: Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen (Bd. 1)

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Buch I. 
Christi. Alterthum. 
Byzantinischer Styl. 
Republik Venedig im Jahre 976  zu Konstantinopel eine 
möglichst kostbare Altartafel für San Marco, welche 
noch in dieser Kirche vorhanden ist. Es sind eine grosse 
Anzahl feiner Goldplatten, auf welchen Christus, die Heiligen, 
biblische Geschichten und das Leben des heil. Mareus in 
einem Email von den sattesten, tiefsten Farben dargestellt 
sind. Da man (wie in allen Emailwerkstättßn des Mittelalters) 
die Töne nicht abzustufen verstand, so sind die Lichter und 
die Falten durch zarte (ausgesparte oder aufgesetzte?) Gold- 
schrafflrungen ausgedrückt, deren Verfolgung laeinahe ein 
microscopisches Auge erfordert. Der Styl, obwohl gleich- 
zeitig mit dem vaticanischen Menologium, erscheint bei höchster 
Feinheit der Ausführung doch etwas starrer. (Die jetzige 
Einfassung, vielleicht auch die Folgenreihe, gehört dem 
späteren Mittelalter an.)  Auch besitzt. der Schatz von San 
Marco noch goldene Reliquiarien von ähnlicher Arbeit, viel- 
leicht zum Theil aus dem Haube von Konstantinopel (1204), 
von welchem sonst fast nichts mehr Erweisliches vorhanden 
ist. Wenn die Kunst in so kostbaren, jede Raubsucht reizen- 
den Stoffen arbeitet, muss sie auf den Ruhm bei der Nach- 
3_ welt verzichten.  Von den Prachtstiekereien, durch 
welche Byzanz vorzüglich berühmt war, ist noch die soge- 
nannte Dalmatica Carl's des Grossen in der Sakristei 
von S. Peter in Rom vorhanden, welche auf dunkelblauer 
Seide in Gold, Silber und einigen Farben gestickt hinten die 
Verklärung auf dem Berge Tabor, vorn Christus in der himm- 
lischen Glorie, rings umgeben von Engeln und Heiligen, auf 
den Ermeln den Heiland als Spender der Sacramente ent- 
hält. Der schon sehr leblose Styl, besonders die langen Ver- 
hältnisse, deuten zwar nicht auf die Zeit Carls, sondern auf 
das XII. Jahrhundert, allein es unterliegt keinem Zweifel, 
dass wenigstens spätere Kaiser, wenn sie bei der Krönungs- 
messe dem Papst als Diakonen assistirten, das Kleid getragen 
haben. Ornament und Anordnung im gegebenen Raum ist 
vortrefflich, die {Ausführung von grösster, Wahrhaft byzanti- 
nischer Zierlichkeit. Da nun der griechische Ritus die Dal- 
matica nicht kennt, so ist anzunehmen, das Kleid sei von
	        
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