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Buch I.
Christl. Alterthum.
Byzantinischer Styl.
Copien älterer Werke sind (wie z. B, gerade jene "Aufer-
stehung"), der vollkommenste Tod aller freien Form. Die
Gestalten sind durchgängig leblose Schemen und scheinen
bei jeder Bewegung auseinander zu fallen; jeder Schritt, jedes
Ausstreeken der Hand wird ihnen geradezu gefäihrlich; durch
das Weglassen des Bodens ist ihnen auch der letzte Rest von
Haltung genommen. Von dem grossartigen, feierlichen Typus
der Mosaikgestalten des V. und VI. Jahrhunderts sind nur
die ins Magere und Greisenhafte zusammengezogenen Umrisse
geblieben; recht als Symbol der alt gewordenen Theologie
von Byzanz erscheint hier selbst Christus als mürrischer Alter,
mit grauweissem Haar und Bart. Dagegen ist die Aus-
führung fein und sorgfältig geblieben, Wenigstens in den dem
Auge naher stehenden Bildern; die Glasstüeke sind klein und
gut gefügt; zarte Schraffirungen von Gold und hellen Farben
durchziehen blinkend die starren Gewänder.
ä. 31. Eine andere Gruppe abendlandisch-byzantiniseher
Mosaiken {inden wir in Unteritalien und Sicilien, zur Zeit
der Normannen. Von den drei Völkern, welche sich im
XI. Jahrhundert um den Besitz dieser Gegenden stritten,
den Griechen, Saracenen und Normannen, besassen nur
erstere eine ausgebildete Malerei, und letztere, als Sieger, ent-
lehnten diese Kunst von ihren Unterworfenen, während sie
in der Baukunst und Bildhauerei ihre eigenen Wege gingen
Sehen in einem der ältesten erhaltenen N ormannendenkmäler,
dem von Robert Guiscard um_1080 gegründeten Dom von
Sallerno drückt sich diese Verhältniss auf das Merkwürdigste
aus; das Gebäude gehört der normannischen, mit saracenischen
Einflüssen vermischten Bauweise an, so weit es nicht aus
antiken Fragmenten (dem Raube von Pästum) besteht; die
(Wichtigen) Sculpturen sind von einem zwar nicht sehr orga-
nischen, aber durchaus runden, weichen, abendländischen
Styl, und nur die Mosaiken (die Altarnische rechts, und eine
Thürlunette) und die eherne Hauptpforte, deren flach mit
Silber eingelegte Figuren nicht dem Gebiete der Plastik,
sondern dem der Zeichnung angehören, sind trotz der latei-
nischen Beischriften byzantinisch. Das Nischenmosaik auf