Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160334
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Buch I. 
Christl. Alterthum. 
Byzantinischer Styl. 
Copien älterer Werke sind (wie z. B, gerade jene "Aufer- 
stehung"), der vollkommenste Tod aller freien Form. Die 
Gestalten sind durchgängig leblose Schemen und scheinen 
bei jeder Bewegung auseinander zu fallen; jeder Schritt, jedes 
Ausstreeken der Hand wird ihnen geradezu gefäihrlich; durch 
das Weglassen des Bodens ist ihnen auch der letzte Rest von 
Haltung genommen. Von dem grossartigen, feierlichen Typus 
der Mosaikgestalten des V. und VI. Jahrhunderts sind nur 
die ins Magere und Greisenhafte zusammengezogenen Umrisse 
geblieben; recht als Symbol der alt gewordenen Theologie 
von Byzanz erscheint hier selbst Christus als mürrischer Alter, 
mit grauweissem Haar und Bart. Dagegen ist die Aus- 
führung fein und sorgfältig geblieben, Wenigstens in den dem 
Auge naher stehenden Bildern; die Glasstüeke sind klein und 
gut gefügt; zarte Schraffirungen von Gold und hellen Farben 
durchziehen blinkend die starren Gewänder. 
ä. 31. Eine andere Gruppe abendlandisch-byzantiniseher 
Mosaiken {inden wir in Unteritalien und Sicilien, zur Zeit 
der Normannen. Von den drei Völkern, welche sich im 
XI. Jahrhundert um den Besitz dieser Gegenden stritten, 
den Griechen, Saracenen und Normannen, besassen nur 
erstere eine ausgebildete Malerei, und letztere, als Sieger, ent- 
lehnten diese Kunst von ihren Unterworfenen, während sie 
in der Baukunst und Bildhauerei ihre eigenen Wege gingen 
Sehen in einem der ältesten erhaltenen N ormannendenkmäler, 
dem von Robert Guiscard um_1080 gegründeten Dom von 
Sallerno drückt sich diese Verhältniss auf das Merkwürdigste 
aus; das Gebäude gehört der normannischen, mit saracenischen 
Einflüssen vermischten Bauweise an, so weit es nicht aus 
antiken Fragmenten (dem Raube von Pästum) besteht; die 
(Wichtigen) Sculpturen sind von einem zwar nicht sehr orga- 
nischen, aber durchaus runden,  weichen, abendländischen 
Styl, und nur die Mosaiken (die Altarnische rechts, und eine 
Thürlunette) und die eherne Hauptpforte, deren flach mit 
Silber eingelegte Figuren nicht dem Gebiete der Plastik, 
sondern dem der Zeichnung angehören, sind trotz der latei- 
nischen Beischriften byzantinisch. Das Nischenmosaik auf
        

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