Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160291
118 
Buch I. 
Christl. Alterthum. 
Byzantinischer Styl. 
nedig bis in's XIII. Jahrhundert. fast. völlig als byzantinische 
Colonie zu betrachten, insofern hier die Malerei sich vollkom- 
men an die griechischen Vorbilder anschloss, die Baukunst. 
eine Durchdringung abendländischer und morgenländischcr 
Elemente darbot, und nur die Sculptur abendländisch ver- 
blieb, Weil sie allein in dem mit. aller höhern Plastik ver- 
feindeten Byzanz keine Vorbilder mehr fand. Besonders 
können wir die Mosaiken von Venedig als einen fast 
genügenden Ersatz der verlorenen oströmischen betrachten, 
indem hier die byzantinische Tradition sich Weit unmittelbarer 
und Weniger getrübt offenbart als z. B. in den eben be- 
sprochenen römischen Arbeiten. Das älteste vorhandene 
Werk dieser Art würden die angeblich im Jahre 882 vcr- 
fertigten Mosaiken von S. Cyprian bei der nahen Inselstadt. 
M urano sein (jetzt für die Friedenskirche in Sanssouci er- 
worben), welche einen Christus mit lilaria zwischen Heiligen 
und Erzengeln darstellen, doch stammt nach der Ansicht 
von Andern das Werk erst aus dem XIII. Jahrhundert. 
Sicherer und ungleich machtttoller aber ist. das byzantinische 
Mosaik repräsentirt in der 976 neu gegründeten Hauptkirche 
San Marco in Venedig, deren älteste Wand- und Ge- 
Wölbebilder Wenigstens dem XI, vielleicht auch noch dem 
X. Jahrhundert angehören. Seitdem im Jahre 828 der Leich- 
nam des Evangelisten Marcus von einer venezianischen Han- 
delsflotte aus Alexandrien war hergebracht worden, hatte das 
Volk der Inseln die heilige Reliquie gleichsam zu seinem 
Symbol, zur Garantie seines ganzen Daseins erhoben; nun 
galt. es, die Kirche, Welche den verehrten Leichnam barg, 
mit all der Pracht. atlszuschmücken, welche die Mittel des 
aufblühenden Handelsstaates gestatteten. Es ist bekannt, mit 
welchem ungeheuern Luxus des Materials das Gebäude aus- 
geführt wurde, indem man den ganzen römischen Orient da- 
für in Requisition setzte; innen wurde der Boden ganz, die 
Wände und Pfeiler bis zu halber Höhe mit den kostbarsten 
Steinarten bekleidet, alles Uebrige aber, Oberwände, Tonnen- 
gewölbe und Kuppeln  eine Gesammtfläche von mehr als 
vierzigtausend Quadratfuss  mit lauter Mosaiken auf Gold- 
grund bedeckt; allerdings eine so riesenhafte Arbeit, dass
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.