Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160282
Mosaiken von Venedig. 
San Marco. 
117 
die Tochter Ludwigs des Frommen ausführen liess; es ent- 
hält (sehr auffallend für diese Zeit) Christus am Kreuz, 
Maria, S. Georg, das Bild der Gisela und verschiedene alle- 
gorische Figuren. Auch die Cathedrale von Capua besitzt. 
noch aus jener Zeit das von Bischof Hugo gestiftete Mosaik. 
Dagegen sind die „sel1r schönen Figuren", womit damals die 
Aebte Potto und Gisulf sämmtliche Wände der Kirche von 
Monte Cassino schmückten, verloren gegangen. 
Vom Ende des IX. Jahrhunderts an scheint die Mosaik- 12. 
arbeit fast in ganz Italien aufgehört zu haben. Siebzig Jahre 
lang drehten sich alle politischen Verhältnisse des unglück- 
seligen Landes in einem Strudel, welcher manchen Augen- 
blicken der Völkerwanderung nicht viel nachgeben mochte; 
Rom insbesondere war der Spielball der scheusslichsten Fac- 
tionen geworden. Mit Gewalt schafften die Ottonen Ruhe, 
aber die tiefe WVunde, welche allen geistigen Bestrebungen 
und somit auch der Kunst geschlagen war, heilte nicht so- 
bald wieder. Wo sich in der Folge ein neues Kunstleben 
regte, da musste wieder an Byzanz angeknüpft werden; als 
z. B. der Abt Desiderius von ltlonte Cassino (später Papst. 
unter dem Namen Victor III.) im Jahre 1066 die Kirche 
seines Klosters neu baute, musste er in Konstantinopel M0- 
saicisten miethen, welche dann mehrere Klosterzöglinge in 
ihrer Kunst unterrichtetenfi) 
ä. 30. Auch diessmal war die unter byzantinischer Schein- 1. 
hoheit heranwachsende Republik der venetischen Inseln 
vor dem allgemeinen Unheil bewahrt geblieben. Sie gedieh 
und vermehrte sich als Stapelplatz zwischen dem oströmischen 
und dem neuen Weströmischen Reiche, und selbst nachdem 
die politische Verbindung mit Byzanz faktisch aufgehört, ver- 
mittelte der höchst lebhaft gewordene Handel einen bestän- 
digen Zusammenhang. In Betreff der Kunst aber ist Ve- 
ß) Wir nennen hier noch das jetzt in der Restauration begriffene 
Mosaik der Chornische von San Ambrogio zu Mailand (Christus.zwi- 
sehen zwei Erzengeln und den hh. Gervasius und Protasius), welches 
832 von einem Mönche Gaudentius ausgeführt sein soll. Die Ausfüh- 
rung scheint sorgfältiger, die Gestalten lebendiger als in den gleich- 
zeitigen Mosaiken Roms.
        

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