Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160168
Mosaiken. 
Rom. 
S. Agnese bei 
105 
Mitteltöne bleiben allmälig aus (in den Gewändern scheint 
ein solcher später hineingemalt), die Glasstücke werden grösser 
und reihen sich nicht mehr genau aneinander. Bedenklicher 
noch als diese Rohheit ist die innere Empiindungslosigkeit, 
die sich in den drei Gestalten kund giebt, diese graden Fal- 
ten, die nur durch dunkle Streifen dargestellt sind, diese 
steifen, leblosen Stellungen, diess starre byzantinische Pracht- 
gewand der Heiligen. Die schon sehr convent.ionellcn Köpfe 
bestehen aus Wenigen Strichen, die rothen Wangen der heil. 
Agnes sind plumpe Tupfen. Der Boden ist zwar unter den 
Füssen der Figuren noch nicht ganz verschwunden, aber auf 
ein Minimum beschränkt, der Grund Wie bei fast allen fol- 
genden Mosaiken Goldgrund.  Schon deutlicher zeigt sich 4 
der byzantinische Styl in dem sehr ausgedehnten Mosaik des 
Oratorio di San Venanzio, einer Nebenkapelle des 
Baptisteriums beim Lateran, 640-642. In der Altarnische 
steht zwischen acht Heiligen die Madonna mit segnend auf- 
gehobenen Armen-g darüber heben sich die Brustbilder Christi 
und zweier Engel aus bunten Wolken empor. An der Wand 
zu beiden Seiten der Nische sieht man je vier Heilige, und 
über der Nische zwischen drei Fenstern die Zeichen der 
Evangelisten und die Städte Jerusalem und Bethlehem, 
Christus und die beiden Engel sind hier zwar roh, aber noch 
mit Würde und Freiheit gebildet und erinnern durch ihre 
noch ziemlich Hiessenden Formen an das VI. Jahrhundert. 
Dagegen sind die sechszehn regungslos neben einander stehen- 
den Heiligen nebst der Madonna (Welche hier zum erstenmale 
so ausdrücklich als ihr Mittelpunkt dargestellt wird) total by- 
zantinisch. In den Gewändern wird auch hier die Falte und 
ihr Schatten durch einen blossen Streif von willkürlicher 
dunklerer Farbe angedeutet, und selbst in den Hauptmotiven 
beginnen Missverständnisse, wie sie das vorhergehende Jahr- 
hundert noch nicht gekannt hatte.  Von ähnlichem Styl 
und fast gleichzeitig (642-649) ist das Mosaik der kleinen 
Altarnische von S. Stefano rotondo auf dem Cölius, wel- 
ches ein kostbar verziertes Kreuz zwischen den stehenden 
HH. Primus und Felicianus darstellt. Am obern Ende des
        

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