Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160130
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Buch I. 
Christl. Alterthum. 
Byzantinis eher Styl. 
Kenntniss ausgesucht und behandelt. Ueber die mit dem 
Pinsel gezeichneten Umrisse wurde meist eine lebhafte, un- 
gebrochene Farbe aufgetragen, und dann Licht, Schatten und 
Gefält mit (lunklern und hellem Farben, später meist in Ge- 
stalt von zarten Schraffimngen darüber gesetzt. Es be- 
zeichnet den ganz unplastischen Sinn jener Zeit, dass die 
Modellirnng so ohne breitangelegte Schatten durch blosses 
Stricheln hervorgebracht wurde, allein die Wirkung ist immer 
eine sehr zierliche. Eine entschiedene hlanier lässt sich am 
frühsten in Behandlung des Fleischtons erkennen, welcher 
orangefarben, dann dunkelziegelroth wird und am Ende 
durch die bekannten grünlichen Schatten und rosenrothen 
Lichter an geschminkte aber schon halbverweste Leichen er- 
innert. Dann werden mit dem Zurücktreten der antiken 
Muster die Farben überhaupt greller und bunter, die Umrisse 
sichtbarer, und seit der Eroberung Konstantinopels durch die 
Kreuzfahrer (1204), welche den WVohlstantl und Luxus der 
Hauptstadt tief erschütterte, tritt vollends eine sorglose Flüch- 
tigkeit der Behandlung ein. Schon lange vorher scheint über- 
diess ein unglücklich gewähltes harziges Bindemittel in Ge- 
brauch gekommen zu sein, welches die Farben früh ver- 
2. dumpfte.  Die Hintergründe, die Nimben und seit dem 
XI. Jahrhundert auch die aufgehöhten Lichter bestehen ins- 
gemein aus Gold, welches auf eine sehr solide Weise ohne 
alle Sparsamkeit aufgetragen scheint. Ja als hätte man 
dessen gar nicht genug anzubringen gewusst, sind überdiess 
die Gewänder kaiserlicher oder heiliger Personen grossen- 
theils ganz von Goldstoff mit prachtvollen Stickereien. 
Eine auf den Gegenstand selbst bezügliche Absicht, etwa 
eine Andeutung himmlischer Herrlichkeit, ist dabei nicht an- 
zunehmen, da sich der goldene Hintergrund gleichmässig bei 
allen möglichen Scenen findet, dagegen liegt es ganz im 
Wesen einer gesunkenen Kunst, die Unfähigkeit freier 
Schöpfung durch ein prachtvolles Material ausgleichen zu 
wolleni"). Die hagern, mürrischen Gestalten mit dem ziegel- 
ü), Mit welchem ungeheuern sonstigen Luxus in Kirchen und Pal- 
lästen dieser Prunk der Malerei zusammenhing, findet sich anschaulich
        

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