Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159053
zu gewinnen, in welcher auch dem Neuen an gebührender 
Stelle sein Recht eingeräumt werde. Mein Handbuch wurde 
zu diesem Behuf entworfen. Es entstand aus den Blättern, 
die zunächst zum eigenen Studium, sodann als Leitfaden für 
öffentliche Vorlesungen niedergeschrieben waren; mehrere 
Reisen, namentlich eine kürzlich beendete italienische Reise, 
hatten willkommene Gelegenheit gegeben, den Schilderungen 
grossen Theils die Frische eigener Anschauung zu verleihen. 
Das Buch war, ich darf es jetzt wohl gestehen, nicht ohne 
etwas verwegene Schnelligkeit abgeschlossen und dem Publi- 
cum dargeboten worden. Die Nachsicht des letzteren, viel- 
leicht auch das allgemeine Bedürfniss und vielleicht zugleich 
jene Frische der Abfassung liessen dasselbe indess nicht für 
die Verwegenheit des Verfassers büssen. Es fand schnellen 
Beifall; in Frankreich übertrug man grosse Stücke desselben, 
ohne die Quelle zu nennen, für dortige Mittheilungen; in 
England erschien eine mit Anmerkungen bereicherte Üeber- 
setzung, deren erster, die italienische Malerei umfassender 
Theil mit dem Namen Eastlakds, als Herausgebers, ge- 
ziert ward. 
 Inzwischen wurden die kunsthistorischen Forschungen 
eifrig fortgesetzt; in Büchern und einzelnen Aufsätzen be- 
reicherte sich das Material, namentlich für die dunkleren Zci- 
ten der Geschichte der Malerei, auf die erfreulichste Weise. 
Aber auch der allgemeine Standpunkt wurde ein anderer. Je 
freier der wissenschaftliche Blick, je vielseitiger und unbe- 
fangener das Ürtheil ward, um so weniger konnte man sich 
verhehlen, dass die Auffassungsweise jener romantischen 
Periode uns in zu enge Grenzen eingeschränkt hatte und 
dass diese auch vor zehn Jahren noch nicht gänzlich ge- 
brochen waren. Wir kamen immer mehr dazu, dem, was 
damals als allein gültig gepriesen war, doch nur ein durch 
besondere Umstände und Zeitverhältnisse bedingtes Recht, 
Vielem, was man damals verworfen hatte, doch seine eigen- 
thümliche, zum Theil sehr bedeutende Gültigkeit zuzuge- 
stehen. Die übertriebene Wärme, mit der die eine Rich- 
tung, die zuweilen selbst absichtslose Kühle, mit der die
        

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