Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160082
Der 
byzantinische 
KörperWPus' 
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über Partei, sein Werk aber ein Tendenzwerk, insofern er 
sein persönliches Ideal, die mürrische Askese, an die Stelle 
eines allgemein Gültigen setzt. Daher die schon erwähnte 
Dürre und hlagerkeit der Figuren und ganz lJK-ISOIIÖCTS die 
düstre Morosität der Gesichtszüge. Die grossen hässlich ge- 
schlitzten Augen blicken starr vorwärts; unter der kahlen 
SQhWQrg-gyunzglten Stirn zieht sich eine unglückselige tiefe 
Falte von Braune zu Braune, womit der Ünmuth sich gleich- 
sam permanent erklärt. Der Nase ist aus der antiken Zeit 
oben noch der breite Rücken geblieben; Weiter unten wird 
sie schmal und dünn; den kümmerlichen Nasenilügeln ent- 
sprechen auf beiden Seiten tiefe Furchen. Der Mund ist 
klein und zierlich gebildet, doch passt die etwas vorgescho- 
bene Unterlippe nur allzugut zu dem trüben Ganzen. So 
lange es sich um Darstellung von heiligen Greisen und Geist.- 
lichen handelt, ist dieser Typus noch erträglich, wenn er 
nicht, wie bisweilen geschieht, in das völlig Herzlose und 
Tückische übergeht. Unleidlich aber wirkt die süssliche 
Grazie, womit. man ihn bei der Darstellung jugendlicher 
Köpfe zu versetzen pflegte, indem zugleich der sonst läng- 
liche Kopf _etwas runder gebildet, einige Runzeln weggelassen 
und Bart und Schnurrbart gekürzt Wurden. Nun nimmt auch 
die Madonna, auf deren Antlitz die Askese und ihre Mager- 
keit nicht wohl anzuwenden war, wenigstens einen durchaus 
mürrischen Charakter an, ja sie ist trotz des kleinen Mundes 
nie so völlig kalt und reizlos gebildet worden, als damals. 
 Ueberhaupt lassen uns all diese Köpfe gleichgültig, weil 
sie mit all ihrer stirnfaltenden Gravitat nicht nur jedes sitt- 
lichen Wollens, jeder Energie in Liebe und Hass unfähig, 
sondern auch ohne Tiefe des physiognomischen Gedankens 
nach einem allgemeinen Herkommen gemalt sind.  Der 
unorganisch gewordenen Gestalt entsprach in merkwürdiger 
Weise die Gewandung. Wie in den Formen des Körpers, 
so lebte auch noch in den Hauptlinien seines Kleides ein 
Schimmer des klassischen Alterthums fort; ES scheint hie 
und da, als wäre vom Ende des VI. Jahrhunderts an die 
damals übliche Vertheilung der Gewandmassen stehend bei- 
Kugler Malerei I. 7
        

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