Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160061
Verarmung 
Darstellung. 
der 
zur Schöpfung von Typen gebracht, Welchen das Prädikat 
des Erhabenen so wenig vorenthalten werden darf, als den 
ältern griechischen Götterbildern, so tief sie auch in manchem 
Betracht unter diesen stehen! In der traurigsten Zeit des 
Dßßpütismus und des Elendcs der Völkerwanderüflg hatte" 
sich diese Typen festgestellt und in den Mosaiken eine glanz- 
volle Darstellung gefunden. Voll ruhiger Vvürdeß mm be" 
deutsamer Geberde, in feierlich niederiiiessenden Gewändern, 
riesengross schauen diese Gestalten, von allem Beiwerk ent- 
blösst, aus den Altarnischen hernieder, ein gewaltiges Zeug- 
niss des siegreichen Kraftgefühls der damaligen Kirche, und 
so üben sie einen Zauber ästhetischer wie historischer Art, 
dem sich der unbefangene Beschauer nie entziehen wird. 
Allein gleichzeitig ging die dramatisch-historische Malerei, 
ja die Fähigkeit zur Darstellung des lebendig Bewegten über- 
haupt zu Grtlnde, wobei man (wie in allen Epochen des 
Verfalls) das gänzliche Aufhören des Natursttidiums eben- 
sowohl als begleitenden Umstand" wie'als Ursache aufzufassen 
berechtigt ist. Ein Theil der Gestalt nach dem andern er- 
starrt, die Gelenke, die Extremitäten, endlich auch das Gesicht, 
welches eine griilnliche, betagte .Miene annimmt. Der Schritt 
verwandelt sich in ein Stillestehen; die Gewänder werden in 
den Falten überreich und theilweise bedeutungslos. Das Or- 
nament verarmt mitten in dem scheinbar glanzendsten Reich- 
thum. Der Goldgrund, den wir in den ravennatisehen Mo- 
saiken des VI. Jahrhunderts überhand nehmen und den 
blauen Grund verdrängen sahen, tödtet den feinern F arben- 
sinn und zwingt zur Buntheit. 
Der byzantinische Styl bringt diese Verderbniss 2.. 
erst recht- zum Ausbruch und hält sie dann in diesem Zu- 
stande auf lange Jahrhunderte stationär, indem er sie mit 
allen Vortheilen einer höchst. ausgebildeten Technik be- 
handeltfÜ 
i") Wir sprechen hier und im Folgenden nur von den Original- 
arbeiten der byzantinischen Zeit, nicht von den Copien besserer, älterer 
Werke, welche man bisweilen damit verwechselt. S0 ist z. B. vor Tab. 
62 von Dkßlgincozwtäs "Nlalerei" zu warnen, wo eine vaticanisehe
        

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