Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1160018
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Buch I. 
Chtistl. 
Alterthurn. 
Byzantinische]? Styl. 
Wonnen zu haben. Für Italien dagegen trat gerade jetzt. die 
Zeit der allertiefsten Erniedrigung ein. Nachdem es seine 
Inildesten Herrscher, die Ostgothen, den Heeren Justinians 
Preis gegeben hatte und dann unter die oströmisehe Herr- 
schaft gerathen war, erfolgte der Einfall der Longobarden 
und die sonderbarste Theilung des Landes, indem den Longo- 
barden der mittlere Kern, die IIauptmasse zuiiel, die wich- 
tigsten Küstenstriehe aber mit den grössten Städten, so wie 
slimmtliche Inseln den seeherrsehentlen Byzantinern verblieben. 
Jetzt erst war für diese oströmiseh gebliebenen, beständig von 
den Longobarden bedrohten Gebiete die Zeit gekommen, sich 
ernstlicher an das schützende Byzanz anzuschliessen; jetzt 
erst mochte auch die Verarmung an Kunst und Bildung so 
sehr gestiegen sein, dass man einer Einwirkung von aussen, 
vom Centrum des Reiches her bedurfte, und desshalb nennen 
wir denjenigen gemeinsamen Styl, welcher vom VII. Jahr- 
hundert an in Rom wie in Neapel, in Apulien und Calabrien 
wie in Sieilien, in Ravenna und der ljentapolislwie in dem 
autblühenden Venedig, zeitweise wohl auch in Genua ge- 
herrscht hat, insofern er ein von dem bisherigen, spätrömischen 
verschiedener ist, mit Recht den byzantinischen. Die Er- 
oberung Karls des Grossen hat später den einmal festge- 
Wurzelten. Schulzusammenhang Italiens mit Constantinopel 
Weder gestört noch aufgehoben; überdies blieb ihr Unteritalien 
und das für alle Zukunft der Kunst so wichtige Venedig trotz 
eifriger Angriffe tmzugäinglich. 
Die Art der Verbreitung des byzantinischen Styles mögen 
wir uns in verschiedenerWeise denken. Ohne Zweifel reisten 
von der grossen Pfianzschtlle Konstantinopel aus manche 
griechische Künstler nach Italien. Sodann war die Haupt- 
stadt gewiss überreich an Werkstätten, welche zahllose bestellte 
und unbestellte Arbeiten, von der Statue und dem Tafelbilde 
bis zum Säulenkapitäl, nach den Provinzen sandten; nament- 
lich dürfen für die Malerei die Klöster von Konstantinopel, 
und nächst diesen diejenigen von Thessalonich  und dem 
heiligen Berge Athos als grosse Centralateliers betrachtet 
Werden. Auch müssen manche abendländische Künstler ihre
        

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