Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Kugler's Handbuch der Geschichte der Malerei seit Constantin dem Großen
Person:
Kugler, Franz Blomberg, Hugo/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1158704
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1159962
Miniaturen. 
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minder prachtvollen Bilderschmuck erläuterte. Bei den hei- 
ligen Schriften verlangte schon die hie und da bis an den 
Aberglauben streifende Verehrung der damaligen Zeit die 
prachtvollste Ausstattung des Innern wie des Einbandes, 
klassische Autoren aber mochten bereits bildlicher Verdeut- 
lichungen bedürfen, insofern man von der darin voraus- 
gesetzten Glanzzeit der alten Welt in Gebräuchen, Lebens- 
Weise und Tracht schon weit abgewichen war. Natürlich ist 
hier der Kreis der Darstellungen ungleich grösser als in den 
Gruftbildern und Mosaiken, und einige der frühsten Denk- 
mäler dieser Gattung führen uns die Compositionsweise der 
antiken Kunst noch einmal mit einem wahrhaft grossartigen 
Reichthum vor, der uns die ohne Zweifel ungeheure Masse 
des Verlorenen schmerzlich bedauern lässt. Dahin gehört. 2. 
die in der vaticanischen Bibliothek befindliche Geschichte 
des Josua, eine mit lauter historischen Seenen bemalte 
Pergamentrolle von mehr als dreissig Fuss Länge, den Bei- 
schritten nach allerdings erst aus dem VII. oder VIII. Jahr- 
hundert, aber unzweifelhaft eine Copie nach einem lVei-ke 
der besten altchristlichen Zeit. Die Arbeit hat das Ansehen 
einer sorgfältigen, aber kühn und frei gezeichneten, mit 
wenigen Farben ausgetuschten Skizze und ist von der voll- 
endeten Pracht späterer byzantiniseher Miniaturen sehr ver- 
schieden. In der Composition zeigt sich eine Lebendigkeit, 
in den einzelnen Motiven eine Schönheit, im Ganzen noch 
ein Reiehthum der Eründung, die diesem Denkmal unter den 
eigentlich historischen Bildwerken der altchristlichen Zeit 
gradezu die erste Stelle sichern. Trachten und Bewaffnun- 
gen sind noch völlig antik; Josua hat, wo er vorkömmt, einen 
Nimbus, ebenso die schönen symbolischen Frauengestalten 
mit Scepterstäben und Mauerkronen, welche die belagerten 
und eroberten Städte vorstellen; denn noch ist hier die ganze 
Landschaft durch Sinnbilder, Berggötter, Flussgötter u. s. w. 
ersetzt. In den Schlaehtscenen ist die wildeste Bewegung oft 
sehr glücklich angedeutet, wobei eS der Künstler freilich mit 
der Perspective und mit den Verhältnissen der Figuren zu 
einander nicht genau genommen hat. Der Uopist der spätern
        

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