Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020889
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Untersuchung 
Schott. 
des 
Geistes 
tien, und so bleibt kein Raum für den Gedanken, dass sie specielle 
Heimsuchungen seien. Dieser gewaltige Wechsel in unseren Vor- 
stellungen ist der Todesstoss für die Theologie, aber nützlich für 
die Religion. Denn durch ihn wird die Wissenschaft aus einem 
Feinde der Religion ihr Verbündeter. Religion gestaltet sich für 
jeden nach dem inneren Lichte, womit er begabt ist. Bei ver- 
schiedenen Charakteren nimmt sie daher verschiedene Formen an 
und lässt sich nie auf eine allgemeine willkürliche Norm ziehen. 
Theologie hingegen verlangt Herrschaft über alle Gemüther, will 
ihre wesentlichen Verschiedenheiten nicht anerkennen, sucht sie zu 
einem einzigen Glauben zusammenzuzwingen und stellt eine absolute 
Norm der Wahrheit auf, nach der sie Jedermanns Meinungen prüft, 
und maasst sich an alle zu verdammen, die von dieser Norm ab- 
weichen. Solche Anmaassungen brauchen Beistand. Dazu wurden 
Drohungen gebraucht, die in Zeiten der Unwissenheit allgemein 
geglaubt werden, Furcht einilössen und dadurch Unterwerfung here 
vorbringen. Daher erzählen die Bücher aller religiösen Systeme 
die gröblichsten Grausamkeiten und schreiben sie ohne alles Be- 
denken dem unmittelbaren Eingreifen Gottes zu. Menschliche und 
milde Naturen empören sich über diese Grausamkeiten, selbst wenn 
sie sich bemühen sie zu glauben. Die Wissenschaft hat das Ge- 
schäft, die Theologie dadurch zu reinigen, dass sie zeigt, es sei 
keine Grausamkeit vorhanden gewesen, weil kein Eingreifen statt- 
gefunden habe. Die Wissenschaft schreibt das natürlichen Ursachen 
zu, was die Theologie aus übernatürlichen herleitet. Nach dieser 
'Ansicht sind die Drangsale, welche über die Welt gekommen sind, 
die Folge menschlicher Unwissenheit und nicht göttlichen Eingreifens 
gewesen. Wir müssen ihm nicht zuschreiben, was nur von unserer 
eigenen Thorheit oder von unserer eigenen Schlechtigkeit herrührt. 
Wir müssen ein allweises und allgütiges Wesen nicht durch die 
Uebertragung unserer kleinen Leidenschaften auf ihn verleumden, 
als wäre er der Wuth, der Eifersucht, der Rache fahig, und mit 
ausgerecktem Arm immer beschäftigt, die Leiden der Menschheit 
zu erschweren und das Elend unseres Geschlechts noch herber zu 
machen, als es sonst sein würde. 
Dass wir diese merkwürdige Verbesserung religiöser Begriife 
dem Fortschritt der Naturwissenschaften verdanken, erhellt nicht 
nur aus allgemeinen Gründen, aus denen wir annehmen müssen, 
dass dies der Fall sei, sondern auch aus der historischen That- 
sache, dass die allmählige Zerstörung der alten Theologie überall
        

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