Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020854
während des 
Jahn-h. 
575 
Der Brief, der durch die Presse natürlich bekannt und weit 
verbreitet werden musste, sollte offenbar auf die öffentliche Meinung 
in England wirken. Es war in Wahrheit ein versteckter Vorwurf 
gegen die Englische Regierung, dass sie ihre geistlichen Pflichten 
vernachlässigt und nicht begriffen hatte, dass ein Fasttag das 
wirksamste Mittel gegen die Seuche sei. In ganz Schottland wurde 
er sehr gelobt und galt für einen würdigen Tadel Englischer 
lrreligiosität; die Engländer sähen die Cholera vor der Thüre und 
beschäftigten sich nur mit Gesundheitsmaassregeln und fleischlichen 
Planen, den Gesundheitszustand des Volks zu bessern, wodurch sie 
zeigten, dass sie zu sehr auf die Waffen des Fleisches trauten. In 
England hingegen wurde dies Manifest der Schottischen Kirche 
fast überall mit Hohnlachen aufgenommen und fand nur bei den 
Unwissendsten und Leichtgläubigsten Gnade. Der Minister, an den 
der Brief gerichtet war, war Lord Palmerston, ein Mann von grosser 
Erfahrung und vielleicht besser als irgend ein anderer Politiker 
seiner Zeit mit der öffentlichen Meinung vertraut. Er kannte die 
Verschiedenheit von England und Schottland und wusste, dass was 
für das eine Land passte, für das andere nicht passte, und dass 
was die Schotten für religiös hielten, die Engländer für bigott 
hielten. Früher einmal ha.tte die Regierung dem Geschrei einiger 
thätigen und eigennützigen Leute nachgegeben und war thöricht 
genug gewesen in dieser Sache wider den Zeitgeist zu gehen und 
öffentliche Fasten anzuordnen, die zum Glück nicht strenge gehalten 
wurden, aber so weit sie gehalten wurden, den allgemeinen Schrecken 
erhöhten, indem sie natürliche Angst durch übernatürliche steigerten, 
das Nervensystem abspannten und der Sterblichkeit durch die Pest 
"Vorschub leisteten. Die Pest im Lande zu haben ist schlimm 
genug, denn was man auch thue, sie wird immer eine Menge 
Opfer hinraffen. Aber eine schreckliche Verantwortlichkeit trifft 
die, welche in einer solchen Zeit, statt ihren Verwüstungen wo- 
möglich Einhalt zu thun, sei es durch Vorsichtsmaassregeln, sei es 
durch Beruhigung und Besanftigung des Volks, alles Mögliche 
thun, das Uebel zu vergrössern, indem sie die aberglaubische Furcht 
 befördern, welche die Energie des Volks in dem nämlichen Augen- 
me, in the mean time, respectfully 1:0 request that you would be pleased to say  
if you feel yourself at liberty to do so  whether the appointment of. a national 
fast by the Queen is in contemplation. The Prosbytory hope to be excused for the 
liberty they use in preferring this request."
        

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