Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020772
des 
während 
J ahrh. 
567 
schaft ist die Originalität die Mutter der Entdeckung, folglich ein 
Verdienst; in der Theologie ist sie die Mutter der Ketzerei, folglich 
ein Verbrechen. Alle religiösen Systeme, die die Welt bis jetzt 
gesehen hat, erklären den Glauben für eine unerlässliche Pflicht; 
aber allen Systemen der Wissenschaft ist er ein Hinderniss und 
keine Pflicht, denn er entmuthigt die forschungs- und neuerungs- 
süchtigen Gewohnheiten, von denen aller intellectuelle Fortschritt 
abhängt. Der Theolog also, der aus der Leichtgläubigkeit eine 
Ehre macht und die Menschen um so mehr schätzt, je einfältiger 
und leichtgläubiger sie sind, braucht sich wenig um Thatsachen 
zu kümmern, ja er bietet ihnen offen Trotz in seinem Eifer, un- 
gehcuerliche Ereignisse oder Wunder zu erzählen. Dem inductiven 
Forscher ist eine solche Willkür untersagt, er muss seine Folgerungen 
auf Thatsachen stützen, die Niemand bestreiten oder jedenfalls ein 
Jeder selbst bestätigen oder durch Andere bestätigt sehen kann. 
Und wenn er diesen Weg nicht einschlägt, so werden seine Fol- 
gerungen, wenn sie auch noch so wahr sind, die grösste Schwierig- 
keit finden, in den Geist des Volkes einzudringen; denn sie werden 
nach einer Spitztindigkeit und Feinheit des Gedankens schmecken, 
welche mehr als alles Andere den gewöhnlichen Verstand geneigt 
machen, die Folgerungen wissenschaftlicher Männer zu verwerfen. 
Aus den Thatsachen und Beweisen, die dies und das vorher- 
gehende Kapitel enthalten, wird der Leser wohl gesehen haben, 
wie es zuging, dass der Schottische Geist während des 17. und 
18. Jahrhunderts vorzugsweise deductiv war; und ebenso, wie es 
zuging, dass im 18. Jahrhundert die Schottische Literatur bei all 
ihrem Glanz, all ihrer Gewalt und all ihren herrlichen Entdeckungen 
einen geringen oder gar keinen Eindruck auf die Nation im Grossen 
machte. Diese Literatur schien durch ihren kühnen neuerungs- 
süchtigen Charakter ganz besonders dazu geeignet, alte Vorurtheile 
zu stören und einen Geist der Forschung aufzustacheln. Aber ihre 
Methode sowohl in der Forschung als im Beweise war zu vornehm 
für den gemeinen Verstand. Auf diesen wirkte sie daher nicht. 
In Schottland, im alten Griechenland und im neueren Deutschland 
sind die intellectuellen Klassen wesentlich deductiv und daher nicht 
im Stande gewesen, auf den grossen Haufen des Volks einen Ein- 
iluss auszuüben. Sie haben die Dinge von einer zu grossen Höhe 
und aus einer zu grossen Ferne betrachtet. In Griechenland hatte 
nur Aristoteles einen richtigen Begriff davon, was die Induction in 
Wahrheit wäre; aber selbst er wusste nichts von Kreuzbelegen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.