Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020767
566 
des 
Untersuchung 
Schott. 
Geistes 
passend gemacht wird. Dies erfordert grosse Feinheit des Denkens, 
und die Aussenwelt wird jedesmal bei Seite gesetzt und aus den 
Augen verloren. Der Vorgang ist ein ideeller und hat mit Beob- 
achtungen und Experimenten nichts zu thun. Was die Sinne dar- 
bieten, ist ausgeschlossen, während der Geist durch eine lange 
Reihe aufeinander-folgender Schlüsse hindurchgeht, wobei jeder 
Schluss wieder zur Prämisse für eine neue Folgerung gemacht 
wird , bis zuletzt eine Fol-gerung auf deductivem Wege erlangt 
wird, welche für die, die sie nur ausgesprochen hören, mit der 
ersten Prämisse gar nicht in Verbindung zu stehen scheint, obgleich 
sie in Wahrheit eine nothwendige Folge davon ist. Eine Methode, 
die so verborgen und den öffentlichen Blicken entzogen ist, kann 
niemals öifentliche Theilnahme gewinnen. Wenn daher der mensch- 
licheGeist nicht eine bedeutende Aenderung in seinem Wesen 
sowohl als in seinen Mitteln erfahrt, so wird der sinnliche Prozess, 
sich von besonderen Thatsachen zu allgemeinen Principien hinauf- 
zuarbeiten, immer anziehender sein als der ideelle Prozess, sich 
von den Principien zu den Thatsachen herunter-Zuarbeiten. In 
beiden Fallen giebt es ohne Zweifel eine Grenzlinie, wo die Argu- 
mentation wesentlich ideell ist; gerade wie. es in beiden lrlallen 
eine Menge Thatsaehen giebt, die wesentlich sinnlich sind. Keine 
der Methoden ist rein und steht ganz für sich da. Da aber in der 
lnduction die Thatsachen hervorstechender sind als die Ideen, 
während in der Deduction die Ideen hervorstechender sind als die 
Thatsachen, so ist es klar, dass Folgerungen nach jener Methode 
im Allgemeinen einen grösseren Beifall finden werden, als Fol- 
gerungen nach dieser Methode. Durch grössere Zustimmung werden 
sie einen entschiedeneren {Erfolg hervorbringen und mit mehr Wahr- 
scheinlichkeit den Nationalcharakter gestalten und den Verlauf 
nationaler Angelegenheiten bestimmen. 
Nur die Theologie macht hiervon eine Ausnahme. In ihr ist 
die inductive Methode, wie ich schon bemerkt habe, nicht anzu- 
wenden, und es bleibt nichts übrig als die Deduction, die für die 
Zwecke des Theologen vollkommen ausreichend ist. Denn er hat 
seine eigene Quelle, die ihn mit allgemeinen Principien versieht, aus 
denen er weiter schliessen kann; und der Besitz dieser Quelle bildet den 
wesentlichen Unterschied zwischen ihm und einem Manne der Wissen- 
Schaft. Wissenschaft ist das Ergebniss der Untersuchung, Theologie 
ist das Ergebniss des Glaubens. In der einen herrscht der Geist 
des Zweifels, in der andern der Geist des Glaubens. In der Wissen-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.