Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020756
des 
während 
Jah rh  
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Geschichte Europas sorgfältig zu studiren, wird viele Spuren von 
einer Verbindung beider Bewegungen finden; sie sind beide aus- 
gezeichnet durch eine erhöhte Achtung für materielle und empirische 
Interessen und durch eine Geringschätzung idealer und speculativer 
Beschäftigungen.  
Die Beziehung, die alles dies auf einander hat, und die popu- 
läre Richtung der Induction ist offenbar. Auf Einen, der im 
Stande ist zu denken, kommen wenigstens hundert, die beobachten 
können. Ein scharfer Beobachter ist ohne Zweifel selten, aber ein 
scharfer Denker ist viel seltener. Die Beweise davon sind zu 
häufig, um bestritten zu werden. Kein Mensch kann mit seines 
Gleichen umgehen, ohne zu bemerken, wie viel natürlicher es ihnen 
ist, etwas aufzufassen, als nachzudenken, und wie äusserst unge- 
wöhnlich es ist, jemand anzutreffen, dessen Schriften geduldiges 
und originelles Denken verrathen. Und da Denker geneigter sind 
Ideen zusammenzutragen, Beobachter hingegen Thatsachen zu 
sammeln, so ist das überwältigende Vorherrschen der beob- 
achtenden Klasse ein entschiedener Grund, warum die Induction, 
welche mit Thatsachen beginnt, immer populärer ist als die De- 
duction, welche mit Ideen beginnt. Man hat oft gesagt, und wahr- 
scheinlich mit Recht, aller Deduction ginge Induction vorher, und 
in jedem Schlusse sei der Obersatz, wenn er auch noch so ein- 
leuchtend und nothwendig erscheine, eine blose Verallgemeinerung 
aus Thatsachen oder ein Resume von dem, was die Sinne schon 
beobachtet hätten. Aber diese Ansicht, sei sie wahr oder falsch, 
trifft meine Ausführung nicht, sie trifft den Ursprung unsers Wissens, 
nicht seine spätere Behandlung, d. h. es ist mehr eine metaphy- 
sische als eine logische Ansicht. Denn auch zugegeben, dass alle 
Deduetion schliesslich auf Induction beruhe, so ist es dennoch 
gewiss, dass die Induction in unzähligen Fällen in einer so frühen 
Periode unseres Lebens Statt findet, dass wir kein Bewusstsein 
darüber haben und den Vorgang nrit_ aller Anstrengung nicht ins 
Gedächtniss zurückrufen können. Die Axiome der Geometrie geben 
einen guten Beleg hiezu. Niemand kann sagen, wann oder wie er 
zuerst zu dem Glauben kam, dass das Ganze grösser ist als der 
Theil, oder dass zwei Dinge, die beide einem dritten gleich sind, 
untereinander gleich sind. Alle diese vorläufigen Schritte bleiben 
uns verborgen, und die Stärke und die Geschicklichkeit der De- 
duction kommen erst bei den folgenden Schritten ins Spiel, durch 
welche der Obersatz zugestutzt und gleichsam für den Untersatz
        

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