Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020746
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Untersuchung 
des 
_Schott. 
Geistes 
geschritten sind. Wir können mit Sicherheit behaupten, das Skep- 
ticismus und Demokratie die beiden Hauptzüge dieser grossen 
wissenschaftlichen Bewegung sind. Das 17. Jahrhundert, welches 
die ßaconische Philosophie einführte, zeichnete sich durch seinen 
Geist der Unbotmässigkeit aus, besonders in dem Lande, wo die 
Philosophie entsprang und vornehmlich blühte. Im folgenden 
Jahrhundert wurde sie nach Frankreich verpflanzt, und auch da 
wirkte sie auf den Volksgeist, und war, wie ich schon gezeigt 
habe, eine der vornehmsten Ursachen der Französischen Revo- 
lution. 
Wenn wir diese interessante Frage noch genauer verfolgen, 
werden wir noch weitere Bestätigung unserer Ansicht finden, dass 
die Ergebnisse einer inductiven Philosophie sich leichter verbreiten 
als die einer deductiven. lnductive Wissenschaft beruht unmittelbar 
auf Erfahrung oder jedenfalls auf Experimenten, die nichts anderes 
sind als wissenschaftlich modifizirte Erfahrung. Nun ist die grosse 
Mehrheit der Menschen selbst in den am meisten fortgeschrittenen 
Ländern durch die Beschaffenheit ihres Geistes unfahig, allgemeine 
Principien zu fassen und sie auf die Angelegenheiten des täglichen 
Lebens anzuwenden, ohne sich und anderen ernstlichen Schaden 
zuzufügen. Eine solche Anwendung erfordert nicht nur grosses 
Geschick, sondern auch eine Kenntniss der störenden Einwirkungen, 
welche die Anwendung allgemeiner Lehren beeinträchtigen. Da 
die Aufgabe so schwer auszuführen ist, so wird sie selten unter- 
nommen, und alle Durchschnittsmenschen, die ein leidlich gesundes 
Urtheil haben, verlassen sich mit gutem Grunde auf die Erfahrung; 
sie ist ihnen ein Führer, der ihnen sicherer und nützlicher vor- 
kommt als alle Prineipien, seien sie auch noch so wahr und wissen- 
schaftlich." Dies erzeugt in ihrem Geist ein Vorurtheil für experi- 
mentirende Untersuchung und einen entsprechenden Widerwillen 
gegen die entgegengesetzte, meh1' speculative Methode. Und es 
lasst sich wohl kaum bezweifeln, dass unter die Ursachen des 
Triumphs der Baconischen Philosophie das Aufblühen der indu- 
striellen Klassen gehört, deren geschaftsmässige und methodische 
Gewohnheiten empirischen Beobachtungen gleichmässigcr Folgen 
äusserst günstig sind; denn auf der Richtigkeit solcher Beobach- 
tungen beruht der Erfolg aller praktischen Angelegenheiten. Ja 
wir finden, dass der Sturz des rein deductiven Scholasticismus des 
Mittelalters überall von einer Ausbreitung des Handels und der Ge- 
werbe begleitet gewesen ist; und wer sich die Mühe geben will, die
        

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