Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1015463
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des 
G eschichte 
Span. 
Geistes 
sogleich zu Boden, ganz einfach darum, weil das Volk sich daran 
gewöhnt hat, bei jeder Unternehmung nur den nöthigen Eifer mit- 
zubringen, nicht aber die Fähigkeit, wodurch dieser Eifer zu lditen 
ist. Wird ein Land in einem solchen Zustande von erblichen 
Fürsten regiert, so muss es nothwendig in Verfall gerathen, da 
im gewöhnlichen Lauf der Dinge unfehlbar hin und wieder unfähige 
Herrscher auftreten werden. So wie dies geschieht, beginnt die 
Verschlechterung, denn das Volk wird aus Gewohnheit in seiner 
Unterthanigkeit keinen Unterschied machen, überall folgen, wohin 
es geführt wird und thörichten Entschlüssen mit demselben Gehor- 
sam sich unterwerfen, wie früher weisen. Dies lässt uns einen 
Blick in die wesentliche Verschiedenheit der Spanischen und Eng- 
lischen Civilisation thun. Wir in England sind ein kritisches, 
unzufriedenes, tadelsüchtiges Volk, beklagen uns fortdauernd über 
unsere Regierung, hegen Verdacht gegen ihre Pläne, erörtern ihre 
Maassregeln mit feindseliger Gesinnung, lassen der Kirche und der 
Krone sehr wenig Gewalt übrig, verwalten unsre eignen Angelegen- 
heiten auf unsre eigne Hand und sind immer bereit, bei der ge- 
ringsten Herausforderung die gewohnte Lippenunterthänigkeit bei 
Seite zu setzen, die nie unser Herz berührt hat, und daher eine 
äusserliche Form der Sitte, aber keine Leidenschaft ist, die in 
unserm Herzen Wurzel gefasst hatte. Die Unterthänigkeit englischer 
Staatsbürger ist nicht von der Art, dass sie dadurch bewogen 
werden könnten, ihrem Könige zu Gefallen ihre Rechte zu opfern, 
und täuscht sie nie auch nur einen Augenblick über ihr entschiednes 
Bewusstsein ihrer eignen Interessen. Die Folge ist, dass unser 
Fortschritt ununterbrochen vor sich geht, mögen unsere Könige 
gut oder schlecht sein. In beiden Fallen geht die grosse Bewegung 
ihren Gang. Unsre Herrscher haben ihren vollen Antheil von 
Schwachköpfigkeit und Verbrechen gehabt, aber selbst Menschen 
wie Heinrich III. und Karl II. waren nicht im Stande, uns Unheil 
znzufügen. Und im 18. und einem Theil des 19. Jahrhunderts, 
als unsre Fortschritte sehr augenfallig waren, besassen wir sehr 
unfähige Regenten. Anna und die beiden ersten George waren 
gröblich unwissend; sie waren jämmerlich erzogen und von Natur 
schwach und eigensinnig zugleich. Zusammen regierten sie beinahe 
60 Jahre, und als sie hinüber waren, wurden wir wiederum 
60 Jahre lang von einem Fürsten regiert, der lange durch Krank- 
heit unfähig gemacht wurde, von dem wir aber ehrlich bekennen 
müäßen, dass er in Rücksicht seiner Politik im Allgemeinen da .
        

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