Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020292
des 
während 
Jahrh. 
519 
Verbindung, und am Ende werden beide ohne Zweifel durch die 
Entdeckung von Gesetzen, welche hier wie anderswo zeigen werden, 
dass in der That nichts abnorm oder ausser der Regel ist, in eine 
Wissenschaft verschmolzen werden. Bis jetzt haben jedoch die 
Physiologen die Pathologen mit weitreichenden Gesichtspunkten 
und daher mit dem Werth ihrer Erfolge weit hinter sich zurück- 
gelassen. Denn die besten Physiologen erkennen entschieden an, 
dass ihre Wissenschaft nicht nur die Thiere unter dem Menschen, 
sondern auch das ganze Pflanzenreich umfassen müsse, und dass 
wir ohneden Ueberblick über das ganze Gebiet der organischen 
Natur unmöglich auch nur die menschliche, noch viel weniger die 
allgemeine Physiologie verstehen können. Die Pathologen hingegen 
sind so sehr zurück, dass sie von den Krankheiten der niederen 
Thierarten selten Notiz nehmen und die Krankheiten der Pflanzen 
fast ganz vernachlässigen, obwohl es gewiss ist, dass jedes 
pathologische Ergebniss wesentlich empirisch bleiben muss wegen 
der Beschränktheit des Feldes, von dem es gesammelt worden, so 
bequem zu machen als die Eintheilung in Physiologie und Pathologie oder das normale 
und abnormale Leben, versteht sich immer festgehalten dass es in Wahrheit nichts 
Abnormales giebt. Die praktisch nützliche aber äusserst unwissenschaftliche Lehre, dass 
eine Veränderung der Funktion ohne eine Veränderung der Struktur möglich sei, hat 
einige der wesentlichsten Unterschiede zwischen Anatomie und Physiologie und besonders 
zwischen pathologischer Anatomie und pathologischer Physiologie ausgelöscht. Bevor 
diese Unterscheidungen anerkannt sind, müssen die wissenschaftlichen Auffassungen der 
Fachgelehrten verwirrt bleiben, wie Werthvoll auch immer ihre praktischen Winke sein 
mögen. So lange man im Stande ist es für möglich zu halten, Veränderungen der 
Funktion könnten von irgend etwas anderm, als von Veränderungen der Struktur hor- 
rühren, wird die wissenschaftliche Bedeutung der Anatomie unvollkommen gewürdigt, 
und ihr wahres Verhältniss zur Physiologie unbestimmt bleiben. Nun aber bei unsern 
jetzigen Mitteln die sorgfiiltigste Seetion oft nicht im Stande ist (z. B. beim Wahnsinn), 
die Veränderungen der Struktur zu entdecken, welche die Funktion verändern, so ist 
dies eine starke Versuchung für oberflächliche Denker, ihre stete Verbindung zu leugnen; 
und so lange das Mikroskop so unvollkommen und die Chemie so zurück ist, so ist 
es unmöglich, sie immer durch Experimente von ihrem Irrthum zu überführen. Ich 
glaube daher, alle solche Untersuchungen werden, bevor unsere Mittel zu empirischen 
Forschungen nicht bedeutend verbessert sind, bei all ihrem grossen Werthc in anderer 
Hinsicht, nur dazu dienen, blos inductive Geister irre zu führen, indem sie sich zum 
Schaden des Begriiis zu sehr auf die Facta des Falls stützen. Darum sagte ich, unsere 
Wissenschaft sei noch nicht weit genug, 11m es Iätlllißh Zu machen, dass wir die 
Organik in Physiologie und Anatomie theilten. Gegenwärtig, und wohl noch für einige 
Zeit, mag die bescheidenere Eintheilung in Physiologie und Pathologie für räthlicher 
gelten und wohl solidere Resultate geben.
        

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