Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020014
während 
des 
J ahrh. 
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die Natur und wurden so in der That. die Begründer der ganzen 
Naturwissenschaft. Sie thaten sogar noch mehr als dies, sie 
flössten dem Englischen Geist zuerst kühne und erhabene Gedanken 
ein. Sie lehrten die Männer ihrer Generation dem Unsichtbaren 
nachzustreben, lehrten sie, sich nach dem Ideal zu sehnen und 
sich über die sichtbare Welt der Sinne zu erheben. Indem sie so 
das Gemüth erregten, öffneten sie einen der Wege, die zur Wahr- 
heit führen. Der Antrieb, den sie inittheilten, überlebte ihre Zeit 
und wurde, wie alle grossen Bewegungen, in allen Fächern des 
Denkens empfunden, Jetzt aber ist er verschwunden, und wenn 
ich mich nicht sehr irre, leidet die Naturwissenschaft gegenwärtig 
unter seiner Abwesenheit. Seit dem 17. Jahrhundert haben 
wir keinen Dichter vom ersten Range gehabt, obgleich Shelley, 
wäre er am Leben geblieben, einer geworden sein möchte. Er 
hatte etwas von der flammenden Leidenschaft, dem heiligen Feuer, 
welches die Seele entzündet, als käme es frisch von dem Altare 
der Götter; aber er wurde in seiner Blüthe, als sein glänzender 
Genius erst aufdämmerte, hinweggerafit. Wenn wir seine unreifen 
aber immer bewundemswürdigen Anstrebungen ausnehmen, können 
wir gewiss behaupten, dass seit zweihundert Jahren England keine 
Poesie hervorgebracht hat, Welche die unverkennbaren Zeichen des 
Genies tragt, wie wir sie in Spenser, Shakespeare und Milton 
tinden. Die Folge ist gewesen, dass wir jetzt ausser Stand sind, 
so stark wie ihre Zeitgenossen diese unsterblichen Werke mitzu- 
geniessen, weil wir von diesen grossen Quellen der Phantasie 
durch einenßso langen. Zwischenraum getrennt sind, getrennt von 
ihnen, die unsere Vorfahren nährten, und weil wir uns nicht ganz 
in die Gefühle von Dichtern hineinfinden können, die zu einer Zeit 
schrieben, als alle Ansichten und daher auch fast alle Formen von 
Gemüthsbewegungen sehr verschieden von Dem waren, was sie 
jetzt sind. Die schöne Englische Poesie des 16. und 17. Jahr- 
hunderts wird mehr als je gelesen, aber sie färbt unsere Gedanken 
nicht, sie gestaltet unsern Geist nicht, wie sie den Geist unserer 
Vorfahren gestaltet hat. Zwischen uns und ihnen ist ein Abgrund, 
den wir nicht völlig überbrücken können. Wir sind von dem Ge- 
dankenkreise, in dessen Mitte diese Gedichte entstanden, so weit 
entfernt, dass sie uns nicht mit der Wirklichkeit und mit der Deut- 
lichkeit ihrer Absicht einleuchtcn, wie sie gethan haben würden, 
wenn wir damals gelebt hätten, als sie geschrieben wurden. Ihr 
Gewand ist uns fremd und gehört einer anderen Zeit an. Nicht
        

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