Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1020009
490 
Untersuchung 
Schott. 
des 
Geistes 
Hypothesen und durch das öftere Waltenlassen ihrer Phantasie 
grösserc Dinge aus, wenn wir den damaligen Stand der Wissen- 
schaft in Betracht ziehen, als unsere Zeitgenossen mit viel grösseren 
Hülfsmitteln zu leisten im Stande gewesen sind. Die prächtigen 
allgemeinen Auffassungen eines Newton und Harvey hätten sich 
niemals in einem Zeitalter, das sich ganz in einem unveränderten 
Zirkel von Experimenten und Beobachtungen verliert, vollziehen 
können. Wir haben es dahin gebracht, dass unsere Thatsztehen 
über unsere Erkenntniss hinausgehen und. ihr in ihrem Verlaufe 
zur Last fallen. Die Schriften unserer wissenschaftlichen Anstalten 
und unserer Männer der Wissenschaft sind bis zum Ueberfluss voll 
von endlosem kleinem Detail, welches das Urtheil verwirrt und 
jedem Gedachtniss cntschlüpft. Vergebens verlangen wir, dass dies 
Detail verallgemeinert und geordnet werde. Statt dessen schwillt 
der Haufe immer an. Wir brauchen (ßledanken und erhalten immer 
mehr Thatsachen. Wir hören fortwährend, was die Natur thut, 
aber wir hören selten, was der Mensch denkt. Durch den uner- 
müdlichen Fleiss dieses und des vorigen Jahrhunderts sind wir in 
Besitz einer gewaltigen unzusamnnenhängenden Masse von Beob- 
achtungen, die mit grosser Sorgfalt aufgespeichert worden sind, 
aber gänzlich nutzlos bleiben müssen, bis sie unter einer herrschen- 
den ldee verbunden werden. Das wirksamste Mittel, sie zu he- 
nutzen, würde sein, der Phantasie mehr Einfluss zu gestatten und. 
den Geist der Dichtung bei dem Geist der Wissenschaft einzu- 
bürgern. Hierdurch würden unsere Gelehrten ihr Mittel verdoppeln, 
statt wie jetzt gelähmt und nur mit ihrem halben Wesen zu arbeiten. 
Sie fürchten die Phantasie wegen ihrer Neigung vorschnell Theorien 
aufzustellen. Aber ohne Zweifel brauchen wir alle unsere Fähig- 
keiten zur Verfolgung der Wahrheit und irgend eine Seite des 
menschlichen Geistes in schlechten Ruf zu bringen, lässt sich nicht 
rechtfertigen. Ja, ich zweifle kaum, zu den Ursachen, warum wir 
in England während des 17. Jahrhunderts so bewundernswürdige 
Entdeckungen-machten, gehört, dass dieses Jahrhundert auch das 
grosse Jahrhundert der Englischen Poesie war. Die beiden grössten 
Geister, die unser Vaterland hervorgebracht hat, sind Shakespeare 
und Newton; und dass Shakespeare Newton voraufging, war nach 
meiner Meinung kein zufälliges und nichtssagendes Ereigniss. 
Shakespeare und die Dichter säten die Saat, die Newton und die 
Denker ernteten. Sie liessen die alten seholastischen und theolo- 
gischen Bestrebungen bei Seite, richteten ihre Aufmerksamkeit auf
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.