Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019734
während des 
J ahrh. 
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so ist dieses Leid ein sehr ernsthaftes. Die Menschen beumuhigen 
sich, sie werden Wankend, sie können das plötzliche Licht nicht 
ertragen, eine allgemeine Ruhelosigkeit überkommt sie, der Anblick 
der Gesellschaft scheint gestört oder gar verzerrt, alte Interessen, 
alteGlaubenssätze werden zerstört, ehe neue geschaffen worden 
sind. Die Symptome sind die Vorläufer von Revolutionen, sie sind 
allen grossen Veränderungen voraufgegangen, die die Welt durch- 
gemacht hat; und während sie Fortschritt andeuten, wenn sie nicht 
ausschweifend sind, so drohen sie mit Anarchie, wenn sie nicht 
Maas halten. Den Praktikern liegt es ob, solche Symptome zu 
mässigen und dafür zu sorgen, dass die Wahrheiten, welche Philo- 
sophen entdecken, nicht zu voreilig angewendet werden, damit sie 
das Getriebe der Gesellschaft nicht aus den Fugen renken, statt 
es zu stärken. Der Philosoph aber hat nur die Wahrheit zu ent- 
decken und zu verbreiten; und das ist für Jeden, wie gross auch 
immer sein Geist sei, eine hinlänglich schwere Arbeit. Diese 
Theilung der Arbeit zwischen Denkern und Geschäftsleuten spart 
Kräfte und schützt beide Theile vor Verschwendung ihrer Talente. 
Sie stellt einen Unterschied auf zwischen der Wissenschaft, welche 
die Principien findet, und der Kunst, welche sie anwendet. Eben 
so erkennt sie an dass jeder, der Philosoph und der Praktiker, 
seine eigene Rolle zu spielen hat und auf seinem Felde Herr ist. 
Aber es ist eine verhängnissvolle Unklarheit, wenn einer in die 
Sphäre des andern übergreifen will. Jeder ist an seinem Platze 
unabhängig und unserer Bewunderung würdig. Wie aber Praktiker 
nie zugeben sollten, dass speculative Folgerungen der Philosophen, 
seien sie auch noch so wahr, wirklich in Ausführung gebracht werden, 
bevor die Gesellschaft einigermaassen zu ihrer Aufnahme bereit ist; 
so müssen andererseits Philosophen keinen Anstand nehmen, sich 
nicht fürchten und sich in ihrem Laufe nicht aufhalten lassen, 
weil ihre Einsicht sie zu Schlüssen führt, die auf den Umsturz 
bestehender Interessen gehen. Die Aufgabe eines Philosophen ist 
klar. Sein Weg liegt gerade vor ihm. Er muss sich alle Mühe 
geben die Wahrheit herauszubringen, und wenn er damit zu einem 
Abschluss gekommen ist, so muss er nicht davor zurückschrecken, 
weil sie nicht angenehm ist oder gefährlich scheint, sondern sie 
gerade deswegen um so fester halten und sie bei böser Nachrede 
eifriger aufrecht erhalten als bei guter, sie weit und breit ausrufen, 
ohne alle Rücksicht darauf, welche Meinungen er verletzt oder 
welche Interessen er gefährdet, Anfechtung um ihretwillen suchen,
        

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