Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019725
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Schott. 
des 
Untersuchung 
Geistes 
und fand den Scharfsinn des Richters viel wichtiger als die Masse 
der Zeugnisse, hielt dafür, dass Zeugen leicht falsch aussagten, 
und dass er in seinem Geiste die sichersten lllaterialien besitze, 
um zu einem richtigen_Schlusse zu gelangen. Es braucht daher 
nicht zu befremden, dass Cudworth und Hume durch Verfolgung 
entgegengesetzter Methoden zu entgegengesetzten Resultaten ge- 
langten, denn ein solcher Widerspruch ist, wie ich schon bemerkt 
habe, unvermeidlich, wenn Männer einen Gegenstand nach ver- 
schiedenen Methoden untersuchen, welcher bei dem gegenwärtigen 
Zustande unserer Wissenschaft einer streng wissenschaftlichen Be- 
handlung noch nicht unterworfen Werden kann. 
Die Länge, zu der sich dieses Kapitel schon ausgedehnt hat, 
und die Zahl der Gegenstände, die ich noch zu behandeln habe, 
wird mir nicht erlauben die Philosophie Reid's bis ins Einzelne zu 
erörtern. Reid ist der ausgezeichnetste unter den blos speculativen 
Denkern Schottlands nach Hume und Adam Smith, muss aber 
seiner Bedeutung nach tief unter sie gesetzt werden; denn er hatte 
weder das Umfassende von Smith noch die Kühnheit von Hume. 
Der Umfang seines Wissens war nicht weit genug, um ihm zu 
erlauben, viel umfassend zu sein, während eine Schüchternheit, die 
sich fast zur Feigheit steigert, ihn von den Ansichten zurück- 
schreckte, die Hume ausgesprochen hatte; nicht sowohl weil sie 
falsch, als weil sie gefährlich waren. Es ist jedoch gewiss, dass 
kein Mensch als Philosoph einen hohen Rang einnehmen kann, 
der sich von solchen Rücksichten fesseln lasst. Ein Philosoph 
muss blos auf Wahrheit ausgehen und den praktischen Einfluss 
seiner Speculationen ausser Acht lassen. Sind sie wahr, mögen 
sie bestehen; sind sie falsch, mögen sie fallen. Aber ob sie an- 
genehm oder unangenehm, 0b sie tröstlich sind oder nicht, ob sie 
gut oder schädlich sind, ist eine Frage, die nicht den Philosophen 
sondernden Praktiker angeht. Jede neue Wahrheit, die ausgesprochen 
worden ist, hat eine Zeitlang Schaden gestiftet; sie hat Unbeqnem- 
lichkeit, oft Unglück hervorgebracht; manchmal durch die Störung 
socialer oder religiöser Einrichtungen, und manchmal durch den 
blosen Bruch mit alten, beliebten Gewohnheiten des Gedankens. 
Erst nach einiger Zeit und wenn das Gebäude der Angelegenheiten 
sich der neuen Wahrheit anbequemt hat, wiegen ihre guten Wir- 
küllgen vor; dieses Vorwiegen nimmt immer zu , bis die Wahrheit 
zuletzt nur Gutes wirkt. Im Anfange ist allemal etwas zu leiden. 
Und wenn die Wahrheit sehr bedeutend und etwas ganz Neues ist,
        

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