Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019718
während 
des 
Jahrh. 
461 
heraus zu philosophiren, die dem Gegenstande seiner Forschung 
eigenthümlich waren. 
Selbst in dem übrigen Theil seines Werkes, der voll der 
schärfsten und merkwürdigsten Speculation ist, benutzt er That- 
sachen, nicht um seine Schlüsse zu beweisen, sondern um sie zu 
erläutern. Er wählte daher die Thatsachen aus, die ihm passten, 
und liess die anderen unberührt. Manche Kritiker würden dies 
unrecht gefunden haben, aber für ihn war es nicht unrecht; denn 
er glaubte seine Principien ohne Beihülfe dieser Thatsachen schon 
festgestellt zu haben. Die Thatsachen konnten dem Leser zu Gute 
kommen durch Verdeutlichung der Beweisführung; aber sie konnten 
dieser Beweisführung keine grössere Stärke geben. Sie dienten 
mehr zur Ueberredung als zum Beweise und waren mehr rhetorisch 
als logisch. Ein Kritiker würde daher nur seine Zeit verlieren, 
wenn er sie so sorgfältig sichten wollte als es nöthig wäre bei 
der Voraussetzung, dass Hume einen inductiven Beweis darauf 
gegründet hätte; sonst möchte es interessant sein, sie, ohne eben 
weit zu gehen, mit den ganz verschiedenen Thatsachen zu con- 
trastiren, welche Cudworth achtzig Jahre früher aus derselben 
Quelle über denselben Gegenstand gesammelt hatte. Cudworth, 
der Hume an Gelehrsamkeit weit überlegen, an Geist aber weit 
unter ihm war, '07) entwickelte in seinem grossen Werk über das 
intellectuelle System der Welt eine erstaunliche Gelehrsamkeit, um 
zu beweisen, dass im Alterthum der Glaube an einen Gott vor- 
herrsehend gewesen wäre. Hume, der sich nie auf Cudworth 
bezieht, kommt gerade zu dem entgegengesetzten Schluss. Beide 
führten alte Schriftsteller an; aber während Cudworth seine Schlüsse 
aus dem zog, was er in den Schriftstellern fand, zog Hume die 
seinigen aus dem, was er in seinem eigenen Geiste fand. Cudworth 
war gelehrter und verliess sich auf seine Belesenheit; Hume war 
genialer und verliess sich auf seinen Verstand. Oudworth war aus 
Baeo's Schule, sammelte also erst die Beweise und sprach dann 
sein Urtheil. Hume war in einer ganz anderen Schule gebildet 
407)' Nicht dass es ihm an Geist gefehlt, aber er steht tief unter einem so groggen 
und originellen Denker als Hume. Er hatte freilich mehr Stoff gesammelt, als er 
beherrschen konnte, und sein Werk on the Intellectual System qf tlze Universe, welches 
ein Schatz von alter Philosophie ist, ist schlecht geordnet, und in manchen Theilen 
schwach begründet. Mehr wirklichen Gehalt hat seine nachgelassene Abhandlung über 
Eernal und Immutable Morality. 
        

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