Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019350
während des 
Jahrh. 
425 
18. Jahrhunderts, als die politische Philosophie eine wissenschaft- 
liche Form annahm, viele sonst wohlunterrichtete Leute den poli- 
tischen Oekonomisten ihre Hartherzigkeit vorwarfen. Diese Tadler 
konnten nicht begreifen, dass die Wissenschaft nicht construirt 
werden könnte, wenn es nothwendig wäre, alle grossmüthigen und 
wohlwollenden Gefühle in ihrer ganzen Ausdehnung mit hineinzu- 
nehmen. Der politische Oekonomist will die Gesetze des Reich- 
thums entdecken, und diese sind viel zu verwickelt, um aus allen 
diesen Gesichtspunkten erforscht zu werden. Er wählt daher einen 
dieser Gesichtspunkte und abstrahirt die Gesetze, wie sie sich in 
dem selbstsüchtigen Theile der Menschennatur zeigen. Und hieran 
thut er recht aus dem einfachen Grunde, weil die Menschen in 
dem Streben nach Reichthum mehr ihre eigene als die Befriedigung 
Anderer ins Auge fassen. Er löscht daher wie der Geometer aus 
seinen Prämissen einen Theil aus, um den übrigbleibcnden mit 
desto grösserer Leichtigkeit behandeln zu können. Aber wir müssen 
uns immer erinnernfdass die politische Oekonomie zwar eine tiefe 
und schöne Wissenschaft, aber nur die Wissenschaft einer Ab- 
theilung des Lebens ist und sich auf der Unterdrückung eines 
Theils der Thatsachen gründet, welche in allen grossen Gesell- 
schaften im Ueberfluss vorhanden sind. Sie unterdrückt, oder was 
auf dasselbe hinausläuft, sie lässt ausser Acht manche hohe und 
grossmüthige Gefühle, die wir nur schwer entbehren könnten. Wir 
dürfen daher ihre Folgerungen nicht alle anderen Folgerungen 
beherrschen lassen. Wir können sie in der Wissenschaft annehmen 
und doch in der Praxis verwerfen. So sagt z. B. der politische 
Oekonom, wenn er sich auf sein eigenes Fach beschränkt, mit 
gutem Recht, dass es eben so absurd als schädlich sei, wenn eine 
Regierung es unternähme, dem Arbeiterstande Beschäftigung zu 
verschaffen. Diese Behauptung kann er als politischer Oekonom 
beweisen, und dennoch mag es trotz ihrer wissenschaftlichen Wahrheit 
für eine Regierung praktisch richtig sein, das gerade Gegentheil 
zu thun. Für eine Regierung mag es richtig sein, die Beschäftigung 
zu beschaffen, wenn das Volk so unwissend ist sie zu verlangen, 
und zugleich die Macht hat das Land in Anarchie zu stürzen, 
wenn die Forderung abgeschlagen wird. Hier umfasst der Gesichts- 
punkt des Politikers alle Prämissen, während der politische Oekonom 
nur einige davon aufgenommen hatte. Eben so geht es aus der 
Wissenschaft der politischen Oekonomie hervor, dass es Unrecht 
ist dem Armen beizustehen, denn nichts ist besser bewiesen, als
        

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