Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Civilisation in England
Person:
Buckle, Henry Thomas Ruge, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1014750
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1019284
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Untersuchung 
des 
Schott. 
Geistes 
selbst in dem Falle, dass diese Elemente uns neu wären, und 
wenn wir inductiv mit unserem Raisonnement von jedem Element 
ausgehend zu demselben Schlusse gelangen könnten, so würde der 
eine Prozess den andern bestätigen, und durch ihre gegenseitige 
Bewahrung würde die Wissenschaft vollendet sein. In der Chemie 
können wir dies nicht leisten; deswegen ist die Chemie noch keine 
Wissenschaft, obgleich sie seit der Einführung von Gewicht und 
Zahl durch Dalton alle Aussicht darauf hat eine zu werden. Da- 
gegen ist die Astronomie eine Wissenschaft, denn durch die An- 
wendung der deductiven Waffe der Mathematiker können wir die 
Bewegungen und Störungen der Himmelskörper berechnen, und 
durch die Anwendung der inductiven Waffe der Beobachtung enthüllt 
uns das Teleskop die Richtigkeit unserer vorhergehenden und so 
zu sagen nur vorläufigen Schlüsse. Die Thatsaivhe stimmt mit der 
Idee überein, das besondere Ereigniss bestätigt das allgemeine 
Princip, das Princip erklärt das Ereigniss, und ihre Ueberein- 
Stimmung berechtigt uns zu glauben, dass wir richtig sehen müssen, 
denn wie wir auch verfahren, der Schluss ist der nämliche; und 
der inductive Plan, aus dem Einzelnen das Durchschnittliche zu 
entnehmen, harmonirt mit dem deductiven, von Gedanken aus zu 
schliessen. 
Aber in dem Studium des Ethischen giebt es keine solche 
Harmonie. Theils wegen der Macht des Vorurtheils, theils wegen 
der Verwickelung des Gegenstandes sind in der Ethik alle Versuche 
wissenschaftlicher Forschung fehlgeschlagen. Es ist daher nicht 
zu verwundern, dass auf diesem Felde der inductive Forscher zu 
einem Ergebniss, und der deductive Forscher zu einem anderen 
kommt. Der inductive ,Forscher sucht seinen Zweck zu erreichen 
durch Beobachtung der Handlungen der Menschen, und dadurch, 
dass er sie der Analyse unterwirft, um die Principien in Erfahrung 
zu bringen, durch die sie bestimmt werden. Der deductive Forscher 
beginnt vom andern Ende, nimmt gewisse Principien als ursprüng- 
lich an und argumentirt von ihnen aus auf die Thatsachen, welche 
wirklich in der Welt zum Vorschein kommen. Der Erstere geht 
vom Concreten zum Abstracten, der Letztere vom Abstracten zum 
Ooncreten fort. Der inductive Moralphilosoph betrachtet die 
Geschichte der Gesellschaft in früherer Zeit und den Zustand der 
Gegenwart, und nimmt für ausgemacht an, der erste Sehritt, den 
er zu thun habe, sei, die Thatsachen zu sammeln und sie dann 
zu verallgemeinern, allgemeine Schlüsse daraus zu ziehen. Der
        

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